Familiennamen in Martfeld

Autor: Hens Harries

  Familie Bremer Familie Hustedt Familie Klimisch Familie Lackmann  
  Familie Meyer Familie Mügge Familie Wätje Familie Winter  
  Familie Varrelmann  


 


Geschichte der Familie Bremer aus Martfeld

Eine weit verzweigte Familie

26.12
Am 06.04.2004 konnte man in der KREISZEITUNG lesen, wie der US-Amerikaner Gerald Bremer- in Begleitung seiner Frau Ruth - in Martfeld nach seinen Vorfahren suchte. Es soll nur kurz erwähnt sein, dass die Suche erfolgreich war. In diesem Artikel möchte ich kurz darstellen, dass sämtliche Bremers in Martfeld miteinander verwandt sind. Mein Dank gilt hierbei Frau Ingrid Ramke aus Steinborn, die mich über die Familienzweige in Brebber, Asendorf und Riethausen aufgeklärt hat.
Alles beginnt mit der Heiratseintragung im Schwarmer Kirchenbuch vom 10.05.1740. An jenem Tage ehelichte Johann Casper Bremer eine Anne Margreth Schröder aus Martfeld. Er war Gärtner auf dem adligen Gut in Schwarme, der sich in den Händen des Hermann von Kempinski befand. Sie kam wahrscheinlich vom Kleinbrinksitz Nr. 27 in Martfeld. 1741 und 1744 ließ das Ehepaar zwei Söhne in Martfeld taufen. Das weitere Schicksal der Familie ist leider nicht bekannt. Vielleicht wohnten sie in Schwarme, weil er evtl. weiterhin Gärtner auf dem Gutshof war. Weitere Daten in Martfeld lassen sich nur vom Erstgeborenen finden, der sich als Häusling in Martfeld niederließ.
Dieser Eberhard Johann Julius Bremer (1741-1826) wurde zum Begründer sämtlicher Familienzweige in Martfeld. Aus seinen drei Ehen entsprangen sechzehn Kinder, die einen Altersunterschied von 40 Jahren aufwiesen!!! Sechs seiner Söhne gründeten eigene Linien.
Linie 1 (Lunsen Nr. 7)
Rennig Bremer heiratete 1790 auf den Brinksitz Nr. 7 in Lunsen. Ihm folgten 1823 sein Sohn Johann Heinrich Bremer, 1849 sein Enkel Rennig Bremer und 1871 dessen Sohn Johann Dietrich Bremer. Näheres ist mir leider nicht bekannt.
Linie 2 (Martfeld Nr. 135, 152, 231, 258 und Scharnebeck)
Johann Peter Henrich Bremer (1769-1821) verehelichte sich zwei Mal. Während die Nachkommen seines ältesten Sohnes nach Scharnebeck bei Lüneburg zogen, wirtschafteten die Nachkommen seines zweiten Sohnes Johann Albert Bremer auf den Anbauerstellen Nr. 135, 231 und 258 in Martfeld. Johann Alberts jüngster Bruder gründete die Anbauerstelle Nr. 152 in Martfeld. Am 30.11.1851 stellte Jürgen Heinrich Johann Carsten Bremer (1815 - 1871) den Antrag zum Anbau einer Hofstelle bei der Königlichen Hannoverschen Domänen - Kammer. Mit Kaufvertrag vom 30.08.1852 verkaufte der Halbmeier Harm Heinrich Dunker vom Hof Nr. 110 in Martfeld seinen Holzkamp von einer Größe von 8 Himtsaat und 3 Spintsaat, welches er zusammen mit dem Halbmeier Heinrich Soller vom Hof Nr. 109 in Martfeld gemeinschaftliche bewirtschaftete, zur Errichtung einer Anbauerstelle für 300 Taler Landesmünzen. Das Holz musste vorher gerodet werden. So entstand die Anbauerstelle Nr. 152 (heute: Bruchhauser Straße 20), die noch für zwei weitere Generationen im Eigentum der Familie Bremer blieb. Zwischen 1868 und 1873 kaufte Johann Heinrich Bremer - ältester Sohn des Johann Albert Bremer - die Anbauerstelle Nr. 135 (heute: In der Heide 13) von Diedrich Heinrich Dunker. Keiner seiner neun Söhne erhielt den Hof, sondern der Schwiegersohn August Wilhelm Wessel kaufte den Hof. Ein Sohn des Johann Heinrich Bremer gründete 1907 die Anbauerstelle Nr. 231 (heute: Bruchhauser Straße 21), die bis heute im Besitz der Familie ist. Ein Enkel gründete 1927 die Anbauerstelle Nr. 258 (heute: In der Heide 27). Diese Stelle ist heute im Besitz der Tochter Adele Perner geb. Bremer.
Linie 3 (Loge, Brebber und Asendorf)
Philip August Bremer (1774 - 1827) wohnte nach seiner Heirat als Häusling in Loge. Sein Schwager, der Brinksitzer Hermann Henrich Pehling auf dem Hof Nr. 6 in Loge, wollte 1805 eine Scheune und fünf Himtsaat Land an ihn für 325 Reichstaler verkaufen, damit er einen Brinksitz gründen konnte. Das Cammer Collegium des provisorischen Königreiches Preußen versagte jedoch seine Zustimmung am 17.04.1806, da die restlichen sieben Molt Acker dieser Stelle nicht zum Hof gehörten, sondern der Familie Pehling, und daher dem Amt hierfür keine Abgaben geleistet werden mussten. Diese Ackerfläche hatte die Familie Pehling 1794 durch die Witwe Hodenberg erhalten. Zwischen 1808 und 1810 zog die Familie dann nach Martfeld und kurz vor 1821 nach Graue. Zwei Söhne lebten bis 1875 bzw. 1900 in Brebber. Dem Sohn Carsten Rennig Bremer wurden in Brebber zwischen 1839 und 1844 vier Kinder geboren. Eine Linie starb aus, da 1892 bzw. 1896 zwei Töchter geboren wurden. Eine weitere Linie siedelte nach Asendorf über, die heute ein Landmaschinenhandel an der Bundesstrasse besitzt. Weitere Informationen liegen mir leider nicht vor.
Linie 4 (Martfeld Nr. 20, 139, 169, 189, 253, Riethausen und USA)
Eine weit verzweigte Linie gründete Johann Christian Heinrich Bremer (* 1793). Seine Nachkommen bewirtschafteten die Vollkötnerstelle Nr. 20 (heute: Bremer Straße 46) seit 1924, die Anbauerstelle Nr. 139 (heute: Alte Bremer Straße 2) von 1904 bis nach 1923, die Anbauerstelle Nr. 169 (heute: Bruchhauser Straße 32) von 1861 bis 1869, die Anbauerstelle Nr. 189 (heute: Heideweg 2) von 1877 bis ca. 1987 und die Anbauerstelle Nr. 253 (heute: Kriegermoor 4) seit 1925. Ein Nachkomme war Johann Rennig Dietrich Bremer (1859-1935). Nach dem Brand von 1881 zog er mit der Familie kurzfristig nach Schwarme und heiratete dort 1884. Kurz danach zog er wieder nach Martfeld. Zusammen mit seinem Vater und Bruder handelte er mit Kohle, Korn, Holz und anderen Dingen. Weiterhin transportierten sie Waren und Personen ein- bis zweimal wöchentlich nach Bremen. Dabei fuhren sie um 2 Uhr in Martfeld los und kamen um 7 Uhr in Bremen an. Nachdem zwei Schwestern schrieben, wie gut es sich in den USA lebte, entschieden sich auch Johann Rennig Dietrich Bremer und seine Familie, das Wagnis einzugehen, in einem neuen Land von vorne anzufangen. Am 19.03.1894 erreichten sie Fairmont, Martin County, Minnesota. Seine ersten Arbeitsstellen waren bei einem Mr. Grathwohl und dem Schmied Mr. Freitag. Sein Arbeitslohn betrug 50 US Cent pro Tag. 1901 erwarb er ca. 129 1/2 ha Ackerland. Ein Nachkomme ist der am Anfang des Artikels erwähnte Gerald Bremer. Ein Sohn des Linienbegründers heiratete in Intschede und wohnte zwischendurch in Döhlbergen. Ein Sohn von ihm - Heinrich Franz Bremer (1862-1922) - zog nach Riethausen. Sein Sohn pachtete mehrere Stellen in Asendorf und Uepsen. Friedrich Bremer bewohnt z.Z. ein Haus in Duddenhausen.
Linie 5 (Martfeld Nr. 137, 278 und 351)
Johann Renning Bremer 1798-1869 Johann Rennig Heinrich Bremer (1798-1869) gründete 1839 die Anbauerstelle Nr. 137 in Martfeld (heute: Brandheide 2). Ihm folgten als Eigentümer 1868 Johann Heinrich Bremer, 1896 Johann Heinrich Bremer und 1929 Dietrich Heinrich Friedrich Bremer. Derzeitiger Besitzer ist Heinz Bremer Mit seinem Sohn und den Enkelkindern lebt bereits die sechste Generation auf dem Hof. Heinz Bremers Bruder Johann und Friedel gründeten die Hausstelle Nr. 278 und 351 in Martfeld. Linie 6 (Martfeld) Der jüngste Sohn Johann Diedrich Wilhelm Bremer (1804-1851) verehelichte sich mit der Häuslingstochter Marie Fastenau, die wiederum das jüngste von 17 Kindern (!) war. Sie hatten zusammen neun Kinder. Ein Sohn verstarb bereits im Kindesalter. Das Schicksal des jüngeren Sohnes ist unbekannt. Dies ist die einzige Linie, die nicht im Besitz einer eigenen Hofstelle war.
Henns Harries

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Die Familie Hustedt im 16. und 17. Jahrhundert

39.18
Der Ort Hustedt in unserer Gemeinde ist höchstwahrscheinlich der Herkunftsort fast aller hiesigen Hustedt-Familien. Im Allgemeinen wird vermutet, dass dieser Namen vom Wort "Hausstätte" abgeleitet wird, was jedoch nicht eindeutig belegt ist. Zu diesem Thema verweise ich auf die Publikation "Martfeld VI - Chronik der ehemaligen Gemeinde Hustedt«, Seite 15 ff. (Autor: Hartmut Bösche).
Hof Nr. 9 in Hustedt In dem Ort Hustedt gab es Mitte des 14. Jahrhunderts lediglich den Einzelhof gleichen namens. Dieser wurde vor 1357 in dem Krieg zwischen Bremen und Hoya zerstört. An seiner Stelle wurden später drei Eggekötnerstelle gegründet. Dies wird der Anfang der einzelnen Hustedt-Familien sein.
Die Bewirtschafter dieser drei Höfe waren 1530 Eler, Bernd und Harmen Broyer. Die beiden Erstgenannten ohne Nennung des Nachnamens, da er vielleicht gleichbedeutend mit dem Ortsnamen war (wie 1619 in Hingste bei den Hofbesitzern Herman, Rendig und Meineke, deren Familiennamen später auch "zum Hingst" waren).
Doch wann begegnen uns die ersten eindeutigen Mitglieder der Familie Hustedt? Folgende Personen mit diesem Namen tauchen in unserer Region in früherer Zeit auf: Gieseke thor Huste (1576) in Hustedt (Nr. 9), Eiler zur Haustede (1583) in Hustedt (Nr. 7), Albrechtt Haustede (1583) in Hustedt (Nr. 10), Ehler Hustedt (1630) in Blender (Nr. 19), Berendt Huestette (1644/45) in Martfeld (Nr. 75), Ratke Hausstetten (1655) in Hiddestorf (Nr. 48), Johann Hustette (1665) in Blender (Nr. 50) und Heinrich Hustedt (1675) in Einste (Nr. 16). Später ist der Name auch in den benachbarten Gemeinden zu finden.
Die familiären Zusammenhänge im 16. und 17. Jahrhundert sind kaum noch zu rekonstruieren. Hier sind wir in vielen Betrachtungen auf Vermutungen beschränkt. Auf dem vermeintlichen Stammhof Nr. 9 in Hustedt stirbt der Name Hustedt bereits gegen 1630 aus.
Auch auf dem ihm gegenüberliegenden Hof Nr. 10 hält sich der Name nicht allzu lang: bereits 1616 wirtschaftet dort ein Carsten Bolcken. Bis 1630 ist dort noch ein Johan Hustede als Häusling als Häusling Hof Nr. 7 mit wohnhaft. Nur auf der Eggekötnerstelle Nr. 7 bleibt der Name noch jahrhundertlang erhalten. Ob die Hustedts miteinander verwandt waren, lässt sich aus den bisherig vorliegenden Quellen nicht erschließen.
Hof Nr. 7 in Hustedt Auf dem Hof Nr. 7 in Hustedt wurde vor 1616 ein Gätke Eilers bzw. Eiler Hustede Nachfolger des 1583 erwähnten Eiler zur Haustede. Der nächste Hofbesitzer war Gödeke Hustedt, der von 1630 bis 1698 erwähnt wird - sicherlich zwei Männer gleichen Namens. Beim Letzteren und seiner Frau lebten 1681 noch zwei Söhne und eine Tochter. Nur vom Hoferben ist uns der Vorname überliefert worden: Jürgen Ludolf (1678 - 1755). Der zweite Sohn könnte Gödecke Hustedt in Blender sein, der dort 1694 als Häusling einen Sohn namens Elerd taufen ließ. Dieser gründete zwischen 1720 und 1730 den Brinksitz Nr. 30 in Einste.
Auf der Kötnerstelle Nr. 19 in Blender wurden Ehler Hustedt und dessen Sohn Hanß 1694 am gleichen Tag begraben. Hanß Ehefrau heiratete daraufhin noch einmal. So können wir davon ausgehen, dass Hanß Hustedt um 1670 geboren sein könnte, der Vater ca. 1640. Dieser wäre somit der etwaige Sohn des Ehler Hustedt von 1630. Wollten wir diese Familie mit aller Kraft in den Stammbaum der Hustedter Hustedts "hineinpressen", so würden sie meines Erachtens aufgrund der Vornamen zu Hustedt Nr. 7 passen.
Bleiben wir noch etwas in Blender und schauen uns die Familie auf der Kötnerstelle Nr. 50 an. Dort ist 1665 ein Johann Hustette, dessen Frau die Tochter des Vorbesitzers war, genannt. 1688 wirtschaftete dort ein Johann Andreas Hustette mit seiner Frau Anna Catharina Baltzer. Lebensdaten sind uns nicht überliefert. Danach erscheint dort ein Ehler Hustedt (1695 - 1754). Inwiefern diese Familie zu den übrigen Hustedts gehört, ist nicht bekannt, könnte jedoch vom Hof Nr. 19 in Blender stammen.
Ab 1630 wirtschaftete die Familie Hustedt nicht mehr auf dem Hof Nr. 9 in Hustedt. Dort ist jetzt der Pastor aus Hohnhorst in den amtlichen Listen verzeichnet, aus welchen Gründen auch immer. Jedoch könnte es dort noch Nachkommen gegeben haben. Ein Berend Hustede lebte 1644 auf den Brinksitz Nr. 75 in Martfeld, bewirtschaftete später auch den Vollmeierhof Nr. 62 in Martfeld. Dem Vornamen nach und begründet dadurch, dass er auf einem Vollmeierhof wirtschaften konnte, lässt uns vermuten, er könne vom Hustedter Hof gekommen sein. Die Gründe hierfür können mannigfaltig sein. Er muss zu diesem Zeitpunkt jedenfalls schon älter gewesen sein, da sein Sohn Jacob Hustedt schon ab 1657 Abgaben vom Martfelder Hof leistete. Jacobs Söhne hießen Berend und Reineke, die beide vor 1681 geboren wurden. Reineke übernahm gegen 1703 den väterlichen Hof und trat ihn 1716 an den Schwiegersohn ab.
Zurück im Kirchspiel Blender saß Ratke Hausstetten 1655 auf der Kötnerstelle Nr. 48 in Hiddestorf. Seine Frau Gesehe Meyer kam vom Vollmeierhof Nr. 41. Nachfolger wurde sein Sohn Jürgen Hustedt (1683 erwähnt). Dessen Sohn Ratke Hustedt ( † 1730) hatte mindestens drei Kinder: Ilse (1680 - 1757), Jürgen (1688 - 1751) und Reineke († 1694). Eine Zuordnung dieser Familie in den "großen Stammbaum" ist ob der spärlichen Hinweise nahezu unmöglich. Ich würde diesen Zweig am ehesten wohl dem Hof Nr. 7 in Hustedt zuordnen. Ein Ratje Hustede († 1683) in Morsum ist wohl aus Hiddestorf gekommen, das läge aufgrund der Namensgebung nahe. Seine beiden Söhne hießen Johann (1677 - 1729) und Hinrich (* 1679). Johanns zweiter Sohn Hinrich Hustedt (1709 - 1764) heiratete auf die Handkötnerstelle Nr. 20 in Lunsen.
Der letzten Zweig der Familie wohnte auf dem Brinksitz Nr. 16 in Einste. 1675 gründete Heinrich Hustedt diese Stelle. Er starb 1722 und hinterließ den Hof seinem Sohn Harmen (1677 - 1754). Diese Linie könnte zu allen vorherigen Familienzweigen passen. Wie man an diesem kleinen Artikel ersehen kann, ist der Versuch, eine geringe Anzahl Personen eines Familiennamens eindeutig in einen Stammbaum unterzubringen aufgrund unzureichender Hinweise kaum möglich. Auffällig bei dieser Beschreibung ist, dass die ersten Hustedts außerhalb des Ortes Hustedt erst knapp fünfzig Jahre nach deren Namensvettern in Erscheinung treten. Nachdem drei Hustedts bereits 1583 in Hustedt wohnen, taucht der Nächste erst 1630 in Blender auf.
Übrigens verzweigt sich die Familie in den nächsten drei Jahrhunderten noch nach Oiste, Wechold, Eitzendorf, Hilgermissen, Laake, Büngelshausen, Völkersen, Schwarme, Beppen, Altholtum, Kleinenborstel, Lesum, Vilsen und USA.
Henns Harries

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Familie Klimisch.

31.10
14. April 1881, Gründonnerstag. Es hätte ein ganz normaler Vorfeiertag sein können, wenn nicht um 12.15 Uhr auf dem Vollmeierhof Nr. 106 in Martfeld ein Feuer ausgelöst wurde, das dank des starken Ost-Südost-Windes rasch auf andere Stellen übergriff. Dieser Wind, noch heute von älteren Martfeldern der "Klimische Wind" genannt, trieb die Glut über Martfeld, so dass innerhalb einer Viertelstunde mehr als sechzig Häuser in Brand standen. Diese Katastrophe, die sich nunmehr zum 125. Mal jährt, ist in vielen Publikationen beschrieben worden, so dass ich hier nicht näher auf sie eingehen möchte.
Das Wappen der Familie Klimisch Dieser Text handelt über das wechselhafte Schicksal der Familie Klimisch, die auch auf dem vorher genannten "Klimischen Hof" lebte. Die Familiengeschichte beginnt mit Martin Klimisch, der bis 1640 Hofschneider und Kammerdiener am fürstlichen Hof zu Celle war. Er hatte dort Gertrud Stubenrauch, die Tochter des Celler Hof- und Leibschneiders Adam Stubenrauch geheiratet. Ihr Bruder gleichen namens war wahrscheinlich Amtsvogt in Winsen/Aller.
Die Familie Stubenrauch/Klimisch pflegte gute Kontakte zum Welfenherzog und schienen recht vermögend gewesen zu sein. 1640 kauften sie einen freien (d.h. steuerfreien) Hof in Moor bei Bruchhausen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt, wird aber ähnlich dem von 1624 sein. Damals kostete der Hof 5.100 Reichstaler, was für damalige Verhältnisse recht viel war. Als Beispiel mag dienen, dass ein Steinhaus in Süddeutschland während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) einen Wert von ungefähr 267 Reichstalern hatte. Zum Hof in Moor gehörten eine freie Schäferei, sechs Kuhweiden in der Bürgerweide, zwei Kämpe, zwei Wiesen, zwei Torfmoore und zwei Kohlhöfe. Der Hof befand sich in der Nähe der Kreuzung beim Bruchhauser Rathaus. Mit Schreiben vom 5. April 1641 wurde ihnen die adeligen Freiheiten des Hofes erneut durch Herzog Friedrich von Celle bestätigt.
Unterschrift des
 Martin Klimisch aus dem Jahr 1657 Unterschrift des Martin Klimisch aus dem Jahr 1657
Neben diesen Hof bewirtschaftete die Familie später noch einen zweiten Hof in Bruchhausen (Nr. 93). Der wurde jedoch mit Vertrag vom 11.April 1706 an Hinrich Köster und seiner Frau Anna Hornfeld aus Martfeld verkauft.
Trotz der weiten Entfernung nach Celle brach der Kontakt zur fürstlichen Familie nicht ab. Regelmäßig hielten sich die Welfen zur Reiherjagd in Bruchhausen auf 1651 kamen dann die Herzogssöhne Christian Ludwig und Georg Wilhelm wieder zum Bruchhauser Schloss. Bei dieser Gelegenheit sprach Martin Klimisch sie an und bat sie, dafür zu sorgen, dass seine behinderte jüngste Tochter Dorothea Sophie in das Kloster Heiligenrode aufgenommen würde. Die Klosterverwaltung oblag nämlich seit 1634 den Welfen. Zwar erhielt die Tochter keine vakante Stelle wegen ihrer körperlichen Behinderung, erhielt jedoch nach zähen Verhandlungen ab 1660 eine jährliche Rente von fünf Reichstalern aus den Einkünften der Klosters Heiligenrode. Welches Schicksal der Tochter später ereilte, wissen wir nicht. Es existiert jedoch ein Schriftstück, welches aussagt, dass sie 1673 in Amsterdam lebte.
Martin Klimisch starb zwischen 1660 und 1670 in Moor. Seine Witwe verstarb nur einige Jahre später, da sich der jüngere Sohn ab 1673 um familiäre Angelegenheiten kümmerte. Dieser - mit Namen Johann Nikolaus Klimisch - war 1673 Hausvogt in Syke und von 1679 bis 1709 Amtsschreiber in Neubruchhausen. Er war mit Ilse Witten, einer Schwester des Fürstlich-Braunschweig-Lüneburgischen Kammerschreibers Heinrich Witt in Celle verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn (Johann Nicolaus) hervor, der später Förster im Amt Klötze (Sachsen-Anhalt) wurde. Johann Nikolaus Klimisch wurde 1716 in Vilsen bestattet, nachdem er drei Jahre als Witwer gelebt hatte.
Martin Klimischs älterer Sohn Heinrich Ludolf erbte den Hof in Moor. Er war mit Ilse Sophie Witten, einer Schwester seiner Schwägerin verheiratet. Sie hatten zwei Söhne, womit die Verbindung nach Martfeld begann.
Linie Moor und Wehlermühle Nr. 82
Heinrich Ludolf Klimisch in Moor hatte sieben Söhne und zwei Töchter. Bemerkenswerterweise starb der zweitjüngste Sohn mit neunzehn Jahren in großer Unwissenheit, da er nie zur Schule geschickt wurde. Eine Tochter heiratete den Pastor Faseke in Nordwohlde. Der älteste Sohn ehelichte eine Vilser Pastorentochter, führte jedoch ein unchristliches Leben. Seine Witwe starb 1775 in großer Armut, da er sich wegen eines Klageverfahrens über die Abgabenfreiheit seines Hofes hoch verschuldete. Der dritte Sohn Philipp Wilhelm (1703 - 1747) gründete 1735 nach seiner Heirat mit der Bürgermeistertochter Catharine Gertraut Struven aus Bruchhausen die Kleinbürgerstelle Nr. 82 in Wehlermühle, welche bis heute im Besitz der Familie ist.
Der Hof in Moor gelang von Heinrich Ludolf Klimisch in die Hand dessen jüngeren Bruders Conrad Ernst (1703 - 1767). Dieser hatte vor seiner Ehe bereits zwei uneheliche Kinder. Eines davon wurde 1737 im Gefängnis geboren, als er und die Kindesmutter dort wegen Diebereien eingesessen hatten.
Vom Wehlermühler Hof sind zwei Töchter nach Martfeld geheiratet. Ilse Margarethe Sophie Kliemisch (1732 - 1821) heiratete 1762 den Großbrinksitzer Rendig Hinrich Harries (1734 - 1803) auf dem Hof Nr. 4 und Anne Margarethe Sophie Kliemisch (1839 - 1876) 1861 den Vollkötner Johann Hermann Hornfeld (1831 - 1873) auf dem Hof Nr. 36. Das letztere Ehepaar hatte den Hof in Wehlermühle auch für zwölf Jahre gepachtet, da ihr Bruder als Hofbesitzer noch nicht volljährig war.
Linie Martfeld Nr. 106
Während der ältere Sohn Heinrich Ludolf Klimisch nicht nur den elterlichen Hof in Moor bewirtschaftete, sondern auch die Wehler Mühle von 1690 bis 1720 pachtete, erwarb der jüngere Philip Wilhelm Klimisch 1706 den Vollmeierhof Nr. 106 in Martfeld. Daneben war er auch Gutsherr der Höfe Nr. 73 und 104 in Martfeld. 1710 bewarb er sich vergeblich um die Pacht der Martfelder und Wecholder Mühle. Philip Wilhelm war mit Dorothea Peckelien (1688 - 1759) verheiratet und starb bereits 1719.
Philip Wilhelm Klimisch hatte fünf Kinder. Die älteste Tochter Ilse Marie (1708 - 1768) heiratete 1725 in Helmstedt Johann Gottfried Lackemacher, einen Professor für Griechisch und orientalische Sprachen an der Universität Helmstedt. Hieran sieht man wieder die gute Verbindungen der Familie zur gebildeten Schicht. Als ihr Mann 1736 in Helmstedt gestorben war, kam sie wieder nach Martfeld zurück. Sie lebte einige Jahre auf den Kleinbrinksitz Nr. 103.
Der jüngste Sohn Georg Ludwig (1714 - 1789) ging wieder zurück nach Moor und bewirtschaftet dort eine Vollbürgerstelle. Der Erbe Johann Wilhelm (1711 - 1779) heiratete Gesche Wacker von der Vollkötnerstelle Nr. 6 in Martfeld. Die Familie Wacker galt zu dem Zeitpunkt als recht wohlhabend und kam dem Viehbestand nach einem Meier gleich. Doch sollte diese Verbindung später den Niedergang der Familie Klimisch mit beschleunigen.
Schon Philip Wilhelm Klimisch hatte kurz vor seinem Tode Geld von der Martfelder Kirche geliehen. Als die Familie Wacker 1753 ihren Hof im Konkursverfahren verkauften mussten, ging Johann Wilhelm Klimisch dadurch viel verliehenes Geld verloren. So musste er sich auch Kapital bei der Kirche leihen. Jedes Jahr hatte er ihr 12 Reichstaler, 28 Mariengroschen und 4 Pfennige Zinsen zu zahlen. In der Kirchenvisitation vom 06.09.1759 wird das ganze Dilemma ersichtlich. Darin heißt es: "[...] so wird jedemach erinnert daß die Juraten dahin zu sehen, daß in Specie bey des Climischen Concurs daß der Kirche in der Prioritat urthel zuerkandte, erfolge". Johann Wilhelm Klimisch stand demnach kurz vor dem Bankrott. Doch wie sollte er ihn abwenden?
Wenige Jahre vorher wurde die Brandkasse als Pflichtversicherung eingeführt. Danach waren 1758 auf dem Hof folgenden Gebäude mit nachfolgend aufgeführten Summen versichert: Haus 300 Taler und Leibzucht 150 Taler. Konnte eine Einäscherung des Hofes die rettende Lösung sein? Ob nun Brandstiftung oder eine natürlich Ursache das Feuer veranlasste, wissen wir nicht, aber 1759 brannte der Hof ab. Vielleicht wurde der erste Grund von Martfelder Bürgern vermehrt geäußert. Dies könnte auch begründen, warum sich diese Vermutung 1881 wiederholte. Auch hier sprach man von Brandstiftung, ohne Beweise dafür auffinden zu können.
Wie dem auch sei, die Familie baute den Hof wieder auf und bewirtschaftete ihn auch weiterhin. Die nächsten zwanzig Jahre blieben ziemlich ruhig, bevor das Schicksal wieder zuschlug. Die Freude über die Hochzeit des Hoferben Johann Georg Wilhelm Klimisch mit Catharine Elisabeth Thormeier aus Leese bei Stolzenau am 08.11.1779 währte nicht lange. Bereits am 18.11.1779 verstarb Johann Wilhelm Klimisch, nur sechs Tage später der Sohn und Bräutigam. Somit blieb die Braut als junge Witwe alleine auf dem Hof. Die Familie Klimisch war damit in Martfeld ausgestorben. Der spätere zweite Ehemann der Witwe Klimisch, Jobst Wiesloh aus Hallstedt, beklagte 1786 noch Schulden in Höhe von 2.000 Taler.
Im Jahre 1816 heiratet die Familie Masemann aus Normannshausen (Nr. 57) auf dem Hof ein. Dietrich Masemann war am Gründonnerstag 1881 geschäftlich in Bremen tätig, als das Feuer ausbrach. Der Hof wurde nicht mehr aufgebaut. Der Hofwirt zog mit seiner Frau und zwei Töchtern nach Neustadt am Rübenberge und betrieb dort eine Gastwirtschaft.
Henns Harries

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Familie Lackmann.

Eine Sippe breitet sich in Martfeld aus.

24.15
Wenn man sich die Zusammensetzung des jetzigen Gemeinderates von Martfeld anschaut, erblickt man nach nicht langer Zeit gleich drei Mal den Namen Lackmann. Obwohl sie politisch in verschiedenen Gruppierungen tätig sind, verbindet sie jedoch die Familie. Denn alle drei stammen vom ersten erwähnten Lackmann in Gahlstorf ab.
Stammhaus der Familie Lackmann Lüder Lackmann (1637 - 1703) übernahm irgendwann in den 1660er Jahren den Vollmeierhof Nr. 3 in Gahlstorf. Dies muss ein einschneidendes Ereignis gewesen sein, denn von da an lautet der Hofname: Lührs. Ob er eingeheiratet war oder den Hof auf andere Weise erworben hatte, ist nicht überliefert. Von seinen drei Söhnen führte nur der Erbe die Familie weiter. Ein Bruder starb unverheiratet, der andere bewirtschaftete die Kötnerstelle Nr. 14 in Einste und starb kinderlos.
Der Sohn Lüder Lackmann († 1731) heiratete Metge Klinker vom Vollmeierhof Nr. 1 in Altholtum und meinte es gut mit der dörflichen Population. Von den acht Kindern starb lediglich ein Sohn im Alter von acht Jahren. Für damalige Verhältnisse ein sehr guter Schnitt, überlebten in jener Zeit nur zwei Drittel der Neugeborenen das Kindesalter. Schon damals gab's die ersten Kontakte in die Gemeinde Martfeld hinein. Die älteste Tochter Jütte Dorothea (1699 - 1747) heiratete den Vollkötner Bartold Bartels auf dem Hof Nr. 12 in Kleinenborstel. Die anderen Geschwister zogen nach Varste, Einste, Oiste, Beppen und Wulmstorf.

heute Bodenstab
Mit dem zweiten Sohn von Timcke Lackmann (1702 - 1751) begann die "genealogische Invasion" in die hiesige Gemeinde. Auf der Eggekötnerstelle Nr. 8 in Hustedt starb der Hofinhaber Johann Bröer 1759 nach nur viermonatiger Ehe kinderlos. Eineinviertel Jahre später verheiratete sich die Witwe mit Lüder Lakemann (1737 - 1811). In dessen Bewirtschaftungszeit fiel auch der Hofbrand 1773.


Michael Lackmann Lüder Lakemanns Kinder heirateten fast ausschließlich in Hollener und Normannshauser Familien ein. Nur der jüngste Sohn heiratete auf einen Halbmeierhof in Hohenholz. Der Hoferbe Friedrich Lackmann (1767 - 1810) heiratete die Schwester seines Schwagers aus Hollen und legte mit ihr den Grundstein zur Verbreitung der Familie. Während Lüdeke in Hustedt blieb, bewirtschafteten seine Brüder Höfe in der Umgebung: Johann Heinrich heiratete auf die Handkötnerstelle Nr. 16 in Westerwisch (Thedinghausen), Friedrich auf die Halbkötnerstelle Nr. 54 in Eitzendorf, Johann auf die Halbkötnerstelle Nr. 23 in Martfeld (jetzt Wessel) und Wilhelm auf die Halbkötnerstelle Nr. 59 in Normannshausen (jetzt Tangermann). Der Hof in Westerwisch wurde von den Kindern bereits um 1854 verkauft und der in Normannshausen ging durch Heirat der Tochter 1863 an die Familie Nolte.
Lüdeke Lackmann (1796 - 1865) in Hustedt heiratete zwei Mal und hatte drei Söhne, die die Familie noch weiter verbreiteten. Der Sohn Johann Friedrich heiratete auf den Halbmeierhof Nr. 50 in Martfeld (jetzt Kirstein - von Hollen), der in der nächsten Generation an die Familie Bielefeld fiel. Ein anderer Sohn, Justus Heinrich Wilhelm, heiratete als Interimswirt auf den Halbmeierhof Nr. 18 in Spraken. Der älteste Sohn Christoph Heinrich Lackmann (1820 - 1889) wirtschaftete auf der elterlichen Eggekötnerstelle.

Busen Lackmann Dessen zweiter Sohn Hermann Heinrich erheiratete zwei Vollmeierhöfe in Affinghausen und Uenzen. Beide Höfe gingen jedoch in der nächsten Generation wieder verloren. Teilweise durch verschwenderisches Leben. Ein Hof in Brelloh soll noch im Besitz dieses Familienzweiges sein. Hermann Heinrichs älterer Bruder Friedrich Lüdeke Heinrich Rennig Lackmann (1852 - 1897) wirtschaftete nicht nur auf dem elterlichen Hof, sondern auch auf dem erheirateten Halbmeierhof Nr. 86 in Martfeld (Busens). Die Hustedter Stelle fiel dem ersten Sohn zu, während der Martfelder Hof an den jüngeren Bruder vererbt wurde.
Die Hustedter Linie starb 1971 im Mannesstamm aus und der Hof wird derzeit von der Familie Bodenstab bewohnt (Tochter von Fritz Lackmann). Der Martfelder Hof ist noch im Besitz der Familie. Der Inhaber Henning Lackmann ist derzeitiges Mitglied im Rat der Gemeinde Martfeld. Wie vorher bereits erwähnt, gelangte die Familie auch auf den Hof Nr. 23 in Martfeld. Hieraus entwickelte sich die zweite Linie, die auch heute noch besteht. Dieser Hof ging nach Erlöschen der dritten Generation 1908 auf die Familien Meyer, Martens und Wessel über. Ein weiterer Zweig jedoch besaß bereits den Brinksitz Nr. 61 in Martfeld. Zwar hatte der erste Lackmann dort zwölf Kinder, doch nur ein Sohn führte die Familie fort. Dieser Johann Heinrich Christian Lackmann (1884 - 1973) erheiratete sich noch zusätzlich den Kleinbrinksitz Nr. 27 in Martfeld, so daß die Nachkommen seines älteren Sohnes noch heute den Hof Nr. 61 in Martfeld bewirtschaften, während die Nachkommen des jüngeren Sohnes über den Hof Nr. 27 in Martfeld auf die Vollkötnerstelle Nr. 56 in Normannshausen kam.
Die Linie auf dem Hof Nr. 61 in Martfeld stellt mit Heinrich Lackmann den derzeitigen Bürgermeister, die Normannshauser Linie mit Michael Lackmann ein weiteres Ratsmitglied.
Von der Gahlstorfer Hauptlinie teilte sich über die Jahrhunderte lediglich ein Zweig ab, der von 1795 bis 1889 die Eggekötnerstelle Nr. 8 in Einste bewirtschaftete. In Gahlstorf führte in jeder Generation nur ein Sohn die Familie weiter. Derzeit wohnt der Hofinhaber auf einem Vollmeierhof in Königshof im Landkreis Soltau - Fallingbostel. Doch der Kontakt in die hiesige Gemeinde riß nie ab, denn zwei Töchter heirateten zwischendurch auf die Höfe Nr. 1 und 6 in Hustedt.
Henns Harries

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Familie Meyer

auf dem Jagdmeyerhof in Martfeld.

19.24
Wenn man von mehreren Familien in Martfeld die Geschichte erzählen möchte, dann kommt man nicht umhin, mit der Familie Meyer auf dem "Hauptmeierhof" zu beginnen. Es wäre zu vermessen, die anderen Familien - seien sie nun auf Meierhöfen, Kötnerstellen oder Brinksitzen ansässig - zu vernachlässigen, oder gar herabzuwerten, doch muss gesagt werden, daß gerade diese Familie ein unnachahmliches Flair umgibt.
Die frühere Geschichte der Familie bzw. des Hofes kann in der Martfelder Chronik Band 3 nachgelesen werden. Ich möchte mit der Familiengeschichte im Jahre 1654 beginnen.
Jagdmeyerhof links neben der Kirche Der Vollmeier Rendig Meyer hatte seinen Vater bereits in frühester Kindheit 1654/55 verloren. Seine Schwester Anne hatte 1658 in Vilsen den Vollmeier Hinrich Kuhlenkamp vom Hof Nr.16 in Uenzen geheiratet. Am 04.11.1670 stand er nun vor dem Traualtar und heiratete Margarete Koldehofe vom Vollmeierhof zu Niederboyen. Am gleichen Tag heiratete übrigens ihr Bruder Johann Koldehofe (1636 - 1712), Vollmeier zu Niederboyen, in Dörverden Lisebeth Lohmeyer (1642 - 1727) vom Lohof. Margarete Koldehofe brachte an Brautschatz 300 Taler, zwei Pferde, ein Fohlen, drei Kühe, sechs Rinder, zehn Schweine und zehn Molt Korn mit; und natürlich noch den ihrem Stand angemessenen Brautwagen (Mobiliar, Geschirr, Kleidung etc.).

Hof Nr. 9 in Hustedt Hof Nr. 9 in Hustedt Im Jahre 1685 hatte Rendig Meyer dann seine erste größere Schwierigkeit zu überstehen. Er erhielt von den Hustedter Bauern den Zehnten, den er Jährlich nach Thedinghausen dem Drosten Stechinelli zu übergeben hatte. Diesen wollten die Hustedter jedoch ablösen. Sie schlossen einen Vertrag, in dem sie dem Martfelder Meier kündigten und die Zehntlast mit einer Jahresrente von 30 Talern ablösen wollten. Dies wurde jedoch vom Amt Hoya untersagt, und Rendig Meyer konnte seinen Rechtsanspruch durchsetzen.
Aus der vorgenannten Ehe gingen mindestens drei Kinder hervor. Die Tochter Becke Meyer heiratete 1695 in erster Ehe den Halbmeier Dietrich Wetken († vor 1726) vom Hof Nr. 48 in Hollen und 1726 dann Rippe Köster. Als Teil der Aussteuer lieferte der Martfelder Meier einen Schafstall, der noch heute auf dem Hof steht. Der Sohn Anthon Günther Meyer (1683 - 1761) heiratete 1711 Dorothea Niemann (1690 - 1763) und wurde somit Vollmeier in Schwarme auf dem Hof Nr. 9. Dort baute er 1716 ein neues Wohnhaus; 29 m x 14 m groß. Von 1730 bis 1760 bekleidete er in Schwarme das Amt eines Kirchenjurat (Vorstandsmitglied). Den Vornamen kann der Sohn als Erinnerung oder Ehrerbietung an den ehemaligen Obristleutnant Anthon Günter Köhler († 1669) vom Vollmeierhof Nr.1 in Dedendorf erhalten haben, an den der Vater vorher die Zehntabgabe abzuleisten hatte.
Der Erbe Rendig Meyer (1683 - 1750) übernahm bei seiner Heirat 1709 mit einer Meimerich (1687 - 1755) den elterlichen Hof. Woher die Frau stammt bzw. aus welcher Familie ist leider nicht überliefert. Der Vorname lässt jedoch auf den Schwarmer - Thedinghauser - Lunsener Raum schließen.
Drei Kinder sind aus dieser Verbindung bekannt. Margarethe Meyer (1709 - ?) wird 1724 als Tochter des Martfelder Meiers bei der Taufe der jüngsten Tochter von Anthon Günther Meyer in Schwarme genannt. Anna Dorothea Meyer (1720 - 1774) heiratete 1743 in erster Ehe den Vollmeier Johann Hinrich Clüver (1700 - 1755) zu Obernhude auf dem Hof Nr. 62 und 1756 in zweiter Ehe Helmerich Mügge (1720 - 1778) vom Kleinbrinksitz Nr. 37 in Hollen, der daraufhin den Hof zu Obernhude bewirtschaftete. In den folgenden Jahren werden noch mehrere Verbindungen der Meyers zu den Mügges und den Clüvers eingegangen. Die nächste bereits 1750, als Rennig Meyer (1724 - 1792) Anne Margarethe Clüver (1732 - 1783) vom Siebenmeierhof in Magelsen heiratete. Diese Ehe erwies sich als sehr fruchtbar, denn nicht weniger als elf Kinder sind hervorgegangen.
Die drei Töchter starben bereits jeweils nach nur einem Jahr, das letzte Kind (1780) wurde tot geboren. Doch sieben Jungs verbreiteten die Familie in alle Himmelsrichtungen.
Der älteste Sohn Rennig Meyer (1753 - 1822) heiratete 1779 Margarete Rabbe (1753 - 1795) vom Vollmeierhof Nr. 60 in Alvesen, die Witwe des oben erwähnten Helmerich Mügge zu Obernhude und wurde somit Vollmeier auf dem Hof. Durch seine zweite Ehe 1800 mit Margarethe Adelheit Fresen (1737 - 1805) vom Vollmeierhof Nr. 8 in Eitzendorf gelangte er in den Besitz des Vollmeierhofes Nr. 29 in Magelsen, den sie aus der vorherigen Ehe mit einbrachte. Seine Nachkommen bewirtschafteten den Obernhuder Hof bis 1855 und den Magelser bis 1903. Darüber hinaus bewirtschaften sie seit 1859 den Vollmeierhof Nr. 1 in Drübber.
Diederich Ernst Philipp Meyer (1763 - 1836) heiratete 1797 Margarethe Elisabeth Meyer (1754 - 1827) von einem Vollmeierhof in Sebbenhausen; Witwe auf dem Vollmeierhof Nr. 16 in Wienbergen. Christian Benjamin Meyer (1765 - 1819) wurde durch seine Heirat 1788 mit Anne Elisabeth Rengsdorf (1741 - ?) vom Vollmeierhof Nr. 6 in Hilgermissen, Witwe Hinrich Precht Interimswirt auf dem Vollmeierhof Nr. 8 in Heesen. 1794 war er Bürgermeister in dem Ort.
Hermann Diedrich Meyer (1768 - 1826) vermählte sich 1802 mit Margarethe Adelheid Bormann (1771 - 1810) von der Vollkötnerstelle Nr. 14 in Hustedt. Da auch sie bereits zweimalige Witwe war, wurde er lediglich Interimswirt auf der Eggekötnerstelle Nr. 9 in Hustedt. Die Nachkommen bewirtschafteten später den Vollmeierhof Nr. 14 in Wienbergen, den Halbmeierhof Nr. 52 in Dahlhausen, den Dreiviertelmeierhof Nr. 42 in Hiddestorf, den Vollmeierhof Nr. 2 in Otersen, die Vollkötnerstellen Nr. 21 und 52 in Wechold, den Brinksitz Nr. 87 in Wechold, den Halbmeierhof Nr. 14 in Eissel, den Halbmeierhof Nr. 1 in Nindorf, die Handkötnerstelle Nr. 4 in Nindorf, die Vollkötnerstelle Nr. 46 in Hiddestorf, einen Halbmeierhof in Dörverden, sowie einen Vollmeierhof in Uhlhorn.
Johann Erdwig Meyer (1771 - 1826) wurde durch seine erste Heirat 1791 mit Catharine Margarethe Adelheid Schwartze (1773 - 1792) Vollmeier auf dem Hof Nr. 3 in Ritzenbergen. Er heiratete 1795 in zweiter Ehe Anna Adelheid Ernst (1771 - 1829) vom Vollmeierhof Nr. 4 in Ritzenbergen. Seine Nachkommen waren Häuslinge in Amedorf und Intschede und später Brinksitzer in Wulmstorf.
Daniel Julius Meyer (1774 - 1850) heiratete 1802 Rebecka Margarethe Clüver (1779 - 1844) vom Vollmeierhof Nr. 7 in Magelsen. Er lebte erst in Magelsen in einem Nebengebäude des Siebenmeierhofes und kaufte nach 1819 den Vollmeierhof Nr. 14 in Wienbergen. Diesen gibt er 1832 an seinen Neffen Johann Heinrich Meyer (1803 - 1867) aus Hustedt (Nr. 9), als der seine Tochter heiratete.
Der zweite Sohn Johann Henrich Meyer (1760 - 1808) wurde schließlich Erbe des Martfelder Hofes. Er heiratete zwei Mal, 1787 Anne Adelheid Mügge (1760 - 1799) vom Kleinbrinksitz Nr. 37 in Hollen und 1803 Marie-Elisabeth Canenbley (1776 - 1869) vom Vollmeierhof Nr. 14 in Gandesbergen. Ihre jüngere Schwester Friederike Elisabeth Canenbley (1790 - 1871) heiratete übrigens den Vetter des Mannes auf dem Hof Nr. 29 in Magelsen Johann Harm Dietrich Meyer (1785 - 1862).
Bevor ich nun die Reihenfolge auf dem Martfelder Hof fortsetze, muss noch erwähnt werden, dass Rennig Meyer vor seiner Ehe im Jahre 1750 ein uneheliches Kind mit Anne Margarethe Knüppel hatte, nämlich Margarethe Dorothee Meyer (1742 - 1818). Diese heiratete 1759 den Nachbarn und Brinksitzer Rendig Köster (1736 - 1796) vom Hof Nr. 76 in Martfeld. Bemerkenswert hierbei ist noch, dass sämtliche Jungs aus dieser Verbindung Namen ihrer Brüder erhielten (Rennig, Johann Henrich, Hermann Didrich und Christian Benjamin).
Von den sechs Kindern aus der Ehe Meyer / Mügge kamen lediglich zwei über das Kindesalter hinaus. Aus der zweiten Ehe starb der Junge bereits mit sieben Jahren, während die beiden Töchter unverehelicht blieben - Anne Rebecka Meyer (1805 - 1857) und Sophie Adelheid Meyer (1807 - 1878). Anne Margarethe Meyer (1791 - 1844) heiratete den Höfner Johann Röpke (1787 - 1848) auf dem Hof Nr. 2 in Werder. Das diese Verbindung etwas besonderes darstellt, wird sich später noch erweisen.
Rennig Friedrich Meyer (1790 - 1872) verehelichte sich 1826 mit Anna Rebecka Wecke (1796 - 1833) und wurde dadurch zusätzlich Vollmeier in Barme auf dem Hof Nr. 1. Die Ehefrau war gleichzeitig die Nichte von Marie Elisabeth Meyer geb. Canenbley.
Außer dem Hoferben blieben alle Töchter unverheiratet - Margarethe Elisabeth Meyer (1827 - 1846), Anne Rebecce Sophie Meyer (1831 - 1912) und Anne Sophie Marie Eleonore Meyer (1833 - 1874). Auch beim Sohn Johann Friedrich August Meyer (1829 - 1906) sah es lange danach aus, dass dieser keine Ehe eingehen würde. Doch 1879 heiratete er Katharine Margarethe Röpke (1859 - 1892) von einem Vollmeierhof in Horstedt. Und hier kommen wieder die familiären Beziehungen zum Ausdruck. Die Ehefrau war nämlich die Enkelin der bereits oben erwähnten Johann Röpke und Anne Margarethe Meyer aus Werder, denn der Vater war 1855 auf einen Hof in Horstedt geheiratet.
Und diese generationenlange Beziehungen zu bestimmten Familien bzw. Höfen wird auch in der nächsten Generation wieder hervortreten.
Die Tochter Rebecka Katharina Adelheid Meyer (1880 - 1942) heiratete 1907 August Meyer (1870 - 1939) vom Vollmeierhof Nr. 54 in Dahlhausen. Er erbte von seiner Mutter den Vollmeierhof Nr. 29 in Magelsen, denn sie stammte aus der Nachkommenschaft von Rennig Meyer zu Obernhude (siehe oben).
Meta Anna Rebecka Meyer (1881 - 1977) verehelichte sich 1907 mit dem Vollmeier Heinrich Wilhelm Suhr (1873 - 1941) vom Hof Nr. 62 zu Obernhude. Er stammte vom Vollmeierhof Nr. 4 in Ahsen und erbte den Hof von seiner Mutter, die diesen selber von der Witwe des letzten Meyer zu Obernhude ererbt hatte.
Die jüngste Tochter starb bereits nach anderthalb Jahren.
Der jüngste Sohn Johann Rennig Dietrich Wilhelm Meyer (1886 - 1918) erbte den Martfelder Hof und fiel unverheiratet im ersten Weltkrieg an der Westfront.
Der ältere Sohn Dietrich Friedrich Meyer (1884 - 1966) erbte erst den Hof in Barme und nach dem Tod des jüngeren Bruders auch den Martfelder Hof. Er blieb jedoch in Barme wohnen und ließ den Hof in Martfeld von einem Verwalter leiten. Der Barmer Hof hatte 1920 170 Hektar Eigenland. 1916 ehelichte er Elisabeth Sophie Margarethe Wendt (1895 - 1972) vom Vollmeierhof Nr. 32 in Oberboyen. Später kaufte er den Vollmeierhof (Rittergut) Nr. 35 in Hingste, wo er auch starb. Die Höfe wurden unter seinen Kindern aufgeteilt.
Den Martfelder Hof erbte sein Enkel Fritz Karl August Söffker (1939 - 1988) aus Hingste, Sohn der ältesten Tochter Erika Katharine Rebecka Meta Meyer (1917 - 1976) und August Söffker (†1945). Deren zweiter Ehemann Wilhelm Lütje (1913 - 1987) bewirtschaftete den Hof in Hingste. Ilsemarie Grete Anna Frieda Meyer (* 1919) ehelichte Hans Bosse und erhielt den Hof in Barme. Die jüngste Tochter verstarb bereits nach einem halben Jahr. Der einzige Sohn Friedrich Heinrich August Meyer (1920 - 1999) verwaltete mehrere Jahre den Martfelder Hof. Doch nach seiner Heirat 1948 mit Gisela Mechthild Agnes Bleydorn aus den ostdeutschen Landen verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Die Ehe wird später geschieden; er wird für unmündig erklärt. Zwar ist aus der Ehe eine Tochter hervorgegangen, doch sitzt seit 1966 kein "Meyer" mehr auf dem Hof.
Henns Harries

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Familie Mügge

28.16 / 29.16
Wenn man über die alten Familien im kleinen Ort Hollen spricht, werden meist die Familien Wetje und Mügge erwähnt. Während die erstere Familie bereits in der Ausgabe Nr. 20 näher vorgestellt wurde, soll hier nun die Zweite ihre Würdigung erhalten.
Bevor ich die Familie näher beschreibe, möchte ich mich bei den Familien Mügge in Dörverden und Wiehe / Vilsen, bei Lieselotte Stubbemann und Bernd Knake in Hollen für ihre zuvorkommende Unterstützung bedanken.

Johan Mügge saß 1530 auf der Vollkötnerstelle Nr. 41 in Hollen (jetzt Wicke). Familien mit diesem Namen gab es ansonsten in Verden, Bremen und in der Gegend um Diepholz. Ob es jedoch verwandtschaftliche Beziehungen dorthin gab, ist heute nicht mehr zu ergründen. Johan Mügge musste dem Amt Hoya mit Zimmennannsarbeiten dienen.
Der nächste uns bekannte Inhaber war Heine Mügge im Jahre 1583. Er bewirtschaftete 12 Himtsaat Roggen- und 24 Himtsaat Haferland. Auch er musste beim Amt als Zimmermann zweimal wöchentlich dienen. Nebenbei besaß er einen Hopfenhof und braute Bier. Daraus lässt sich erkennen, dass er sich nicht nur auf die Landwirtschaft stützte. 1598 beklagte sich der Hoyaer Amtmann, dass Heine Mügge mit 400 Talern der mit am höchsten verschuldete Kötner des Amtes war. Um sie abtragen zu können, wurde ein Häuslingshaus vermietet.
Der Halbkötner Dierich Mügge in Uenzen (Nr. 56), der um 1620 dort starb, wird sicherlich sein jüngerer Bruder gewesen sein. Verbindungen in Richtung Uenzen gab es noch häufig in späterer Zeit. Ein Albert Mügge starb vor 1618 als Bürger in Altenbruchhausen. Sein Sohn Hinrich Mügge verkaufte in jenem Jahr einer Wiese. Ob sie verwandtschaftliche Beziehungen zu den Hollener Mügges hatten, müssen weitere Nachforschungen ergeben.
Um 1620 fand der Generationswechsel statt. Während der Sohn Otto eine neue Stelle gründete, übernahm Heinrich Mügge diesen Hof. Der Dreißigjährige Krieg ging auch nicht an ihm vorbei. 1625 beklagte er Schäden in Höhe von 230 Talern. Er hatte 1642 noch 24 Himtsaat Ackerland, wovon nur noch die Hälfte bewirtschaftet wurde. Nach dem Krieg leitete Johan Clausing - vielleicht sein Schwiegersohn - den Hof.
Der vorher bereits erwähnt Otto Mügge gab sich - wie seine Nachfahren - nicht mit kleinen Dingen zufrieden. Im Viehschatzregister des Amtes Hoya von 1619/20 wird er zum ersten Mal aufgeführt. Die vorherige Liste ist aus dem Jahr 1617. Somit hatte er den Hof Nr. 37 zwischen diesen Jahren gegründet. Wie sein Bruder beklagte auch er 1625 Schäden infolge des grausamen Krieges. Da sein Hof jedoch in einer geringeren Höfeklasse eingeordnet war, musste er nicht so viele Abgaben zahlen, wie sein Bruder. Woher er jedoch das Geld hatte, um in den kommenden Jahren viel Land zu erwerben, ist bis heute noch ein Rätsel. 1631 erwarb er den "Tweerkamp in der Schlichtung", dann den "Streitkamp", die "Hodenberg - Wiese" und die "Frese - Wiese".
In jenem Jahre muss auch der Erwerb des Hofes Nr. 36 in Hollen liegen. 1630/31 wurde dort noch Harmen Bolleman erwähnt, 1652/53 dann die Witwe des Otto Mügge. Dieser scheint kurz vorher verstorben zu sein. Zwei Kinder sind bekannt. Die Tochter Meimerich heiratete bereits 1639 den Vollkötner Johann Schniedewind in Uenzen (Nr. 23). In der Uenzener Dorfchronik ist vermerkt, dass sie eine große Aussteuer erhielt. Der Sohn Heinrich übernahm den väterlichen Hof nebst der Stelle Nr. 36.
Er pachtete noch weiteres Ackerland von diversen Meierhöfen in Kleinenborstel und Martfeld. Für das Jahr 1662/63 ist im Viehschatzregister vermerkt, dass er den Hof Nr. 46 in Hollen von Carsten zum Hollen gekauft hatte. Damit bewirtschaftete er bereits drei Stellen. Auf ihnen hielt er 1670/71 insgesamt 3 Pferde, 18 Kühe und 3 Schweine.
Zum Vergleich, sein Schwager in Uenzen hielt 1678 2 Pferde, 5 Kühe, 4 Kälber und 1 Schwein. Doch die Kauflust des Heinrich Mügge wurde nicht befriedigt. So werden Kaufbriefe von 1674 und 1696 erwähnt (späterer Wert 1.000 Taler!). In einer Auflistung vom 27.02.1678 hatte der Vollmeier Heinrich Buse in Hilgermissen (Hof Nr. 11) ihm für 250 Taler eine Wiese, die acht Fuder Heu einbrachte, versetzt. Zwei Jahre später kaufte er eine Wiese in Spraken. Weiterhin lieh er ab 1685 Geld an den Vollmeier Hanß Gohde bzw. dessen Sohn Herman in Martfeld (Nr. 82) und später auch dem Vollmeier Herman Honfelt in Kleinenborstel (Nr. 18). Obwohl Heinrich Mügge viel Land und drei Stellen besaß, saß er immer noch auf einen Kleinbrinksitz, Hollen Nr. 37.
Uns sind sechs Kinder bekannt, die er mit seiner Frau Hille hatte. Der Anerbe Johan wird 1681 zwar noch erwähnt, tauchte später jedoch nicht mehr auf. Der Sohn Otto heiratete 1697 auf die Pflugkötnerstelle Nr. 14 in Bahlum (Gut Willenbruch, jetzt Kaemena). Er starb bereits vor 1703. Sein einziges Kind Diedrich folgte ihm drei Jahre später. Gesche Mügge (1661 - 1735) heiratete 1690 auf den Halbmeierhof Nr. 13 in Groß Borstel (Schwarme), ihre Schwester Gretje (1669 - 1729) auf den Halbmeierhof Nr. 16 in Spraken. Der Verbleib der Tochter Wübke ist unbekannt. Jüngstes Kind war der Erbe Hinrich Mügge (1676 - 1752).
Für den Neubau des Wohnhauses 1698 auf dem Hof in Groß Borstel (Schwarme) werden sicherlich auch Gelder aus Hollen geflossen sein. Das ehrgeizige Ziel, einen Meierhof zu bewirtschaften, erreichte die Familie 1718. 2157 Taler hatte Hinrich Mügge vom Vollmeierhof Nr. 82 in Martfeld zu fordern. Er schlug dem Gutsherrn in Leeste vor, die Familie abzufinden und den Wirt mit seiner Frau bis zu ihrem Tode dort wohnen zu lassen. Dem wurde zugestimmt und somit besaß man den ersten Meierhof in der Familiengeschichte. Trotzdem blieb man weiterhin auf dem Kleinbrinksitz wohnen. Die anderen drei Stellen wurden entweder an Häuslinge vermietet oder verpachtet.
Hinrich Mügge heiratete 1706 Adelheid Büsselmann (1684 - 1763) vom einstelligen Vollmeierhof zu Borstel bei Wachendorf. Sie wird sicherlich eine gute Aussteuer mit auf den Hof gebracht haben. Ihre Schwester Anna erhielt bei ihrer Heirat 1713 mit dem Vollmeier Henrich Stoffregen in Uenzen (Nr. 1) u.a. 400 Taler. Diese Summe und einen dazugehörigen Brautwagen können wir für Hollen auch annehmen. Da viel Geld zur Verfügung stand, ist es nicht zu verwundern, dass Hinrich Mügge auch Kirchenjurat wurde. Als solches hatte mit zwei anderen Juraten die Aufgaben eines Kirchenvorstandes wahrzunehmen und musste mit seinem ganzen Vermögen einstehen. Dieses Ehrenamt führte er von 1725 bis 1735 aus. Drei Jahre davon war er Kirchenrechnungsführer (1725, 1728 und 1731). In der Kirchenvisitation von 1735 verlangte er nach seiner Demission.
Seine Frau gebar ihm zwischen 1706 und 1731 neun Kinder, wovon der älteste Sohn im Kindesalter starb und von drei weiteren Kindern das weitere Schicksal nicht bekannt ist. Der nunmehrige Anerbe Gert Mügge (1707 - 1776) übernahm jedoch nicht die väterlichen Stellen, sondern ging auf den Vollmeierhof Nr. 12 in Uenzen. Dort heiratete er die Witwe des Klaus Lüdeke. Nach alten Brauch nahm er dort den Hofnamen Lüdeke als Familienname an. Ein Balken des Speichers enthält folgende Inschrift: "An Gotes Segen ist alles gelegen. Anne Klocke von Bramste - Gerd Mücke von Hollen 1734". Am 05.12.1771 erwarb er als Gläubiger den Kleinbrinksitz Nr. 38 in Hollen im Konkursverfahren für 325 Taler. Sein einziger Sohn Claus erbte diese Stelle. Hierbei übernahm er auch wieder den alten Familiennamen Mügge. Seine beiden Ehen blieben kinderlos, so dass seine Witwe Johan Freyer aus Ristedt heiratete.
Der Sohn Elmer oder Helmerich Mügge (1720 - 1778) heiratete 1756 die Witwe des Halbmeiers Johann Hinrich Clüver zu Obernhude (Nr. 62). Sie kam vom Jagdmeierhof in Martfeld und hatte keine Kinder. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder, die jedoch alle kurz nach der Geburt starben. Zwar heiratete er noch ein zweites Mal, Nachkommen hatte er aber nicht. So ehelichte die Witwe in zweiter Ehe Rennig Meyer wiederum vom Jagdmeierhof in Martfeld -, und so kam der Hof in dessen Hände. Seine beiden Brüder Hinrich und Johann Otto bewirtschafteten den Stammhof bzw. einen Hof in Oiste (siehe Kapitel Hollen Nr. 37 und Oiste Nr. 9).

Hollen Nr. 37
Hollen Nr. 37 ca. 1940 Hinrich Mügge (1709 - 1766) erbte den väterlichen Besitz, bestehend aus vier Höfen. Obwohl das Amt schon seit längerem verlangte, den Besitz aufzuteilen, um mehrere leistungsfähige und baulich intakte Stellen zu haben, wurden die Beamten immer wieder vertröstet. Die Familie versuchte sogar, den Hofbestand zu vermehren. Der Kötner Hermann Homfeld in Hollen (Nr. 42) hatte viele Schulden. Die Schuldner unter Leitung von Hinrich Mügge taten sich zusammen und machten dem Stelleninhaber ein Angebot. Mügge selber wollte die Stelle verwalten. Doch das Amt machte nicht mit und so zerschlug sich die Übernahme.
Erst 1751 heiratete er Margarethe Bischoff vom Halbmeierhof Nr. 47 in Schwarme. Sie hatten sieben Kinder, wovon nur zwei über das Kindesalter hinauswuchsen. Hinrich Mügge war in den Jahren 1756 bis 1758 Kirchenjurat. In den letzten zwei Jahren als Kirchenrechnungsführer. Nach seinem Tode nahm die Witwe Gerd Henrich Fellermann aus Schwarme als zweiten Ehemann auf den Hof. Die beiden Kinder aus dieser Verbindung starben früh. Der Interimswirt brachte die erlahmte Wirtschaft auf der Stelle wieder in Schwung. Denn durch die Folgen des Siebenjährigen Krieges lagen einige Ackerstücke brach. Später kaufte er noch eine Wiese dazu.
Als der Erbe Johann Diederich Mügge (1757 - 1815) 1782 heiratete, stammte seine Frau wiederum aus Uenzen. Mette Sophie Meyer kam vom Vollmeierhof Nr. 7. Mügges Hof konnte sich sehen lassen, das stattliche Wohnhaus mit einer Grundfläche von 236,64 m2 Grundfläche war von sechs Wirtschaftsgebäuden umrahmt. Teilweise waren sie schon fortschrittlich mit Pfannen gedeckt. 1802 wurde das Wohnhaus erneuert. Seine Schwester Anne Adelheid heiratete 1787 Johann Heinrich Meyer in Marteld (Nr. 77) und nahm standesgemäß 1.800 Taler, vier Pferde, vier Kühe, vier Rinder, zwanzig Schweine, zwanzig Schafe und einen üppigen Brautwagen mit. In jenen Jahren wird auch der Betrieb einer Ölmühle überliefert. Wer sie errichtet hatte, ist nicht bekannt.
Johann Diederich Mügge betätigte sich wie seine Vorfahren spekulativ. Beim Eggekötner Suhling in Hustedt (Nr. 9) hatte er 1802 bereits 500 Taler Schulden. Weitere 1.000 Taler lieh er sich gegen 1806 vom Siebenmeier Lohmeyer in Stendern zum Kauf der Vollkötnerstelle Nr. 6 in Martfeld. Um Einkünfte zu erzielen, verkaufte er Land vom Vollmeierhof in Martfeld. Doch das Schicksal schlug nun zu. Kaiser Napoleon I. zog mit seinen Truppen durch Europa und ließ das Land ausbluten. Für seine Feldzüge brauchte er Gelder von seinen Untertanen. So musste Mügge nun Kontributionen aus fünf Stellen leisten. Die Schuldenlast wuchs rasch an. Es musste Abhilfe geschaffen werden.
Der Erbe Bernd Mügge (1791 - 1874) wurde gemustert und sollte Soldat werden. Damit er nicht in den Krieg ziehen musste, wurde nach einem Stellvertreter gesucht. Man fand ihn in Cord Hinrich Bockhop aus Brake bei Sulingen. Als Gegenleistung erhielt er 1816 den Hof Nr. 36 in Hollen, der nun als Kleinbrinksitz geführt wurde, während der Hof Nr. 37 nun eine Halbkötnerstelle war. Doch bereits 1814 stand Mügge vor dem Konkurs. Die Treuhänder Johann Cord Wicke (Hollen Nr. 41) und Johann Freye (Hollen Nr. 38) versuchten zu retten, was zu retten war. Viele Wiesen und Ackerfläche wurde an Hollener und Kleinenborsteler verkauft. Die beiden Häuslingshäuser zum Hof Nr. 36 wurden verkauft (Hollen Nr. 53 und 54). Die Vollkötnerstelle Nr. 6 in Martfeld wurde mit Genehmigung vom 29.10.1814 für 2.000 Taler an den Halbkötner Johann Cord von Hollen in Martfeld (Nr. 28) verkauft. Im gleichen Jahr wurde auch der Vollmeierhof Nr. 82 in Martfeld an den Halbkötner Ludolph Schmidt in Martfeld (Nr. 65) veräußert, nachdem der erste Kaufinteressent - Handkötner Brün Suhr aus der Bürgerei / Thedinghausen (Nr. 24) - den fälligen Kaufpreis von 2.500 Taler nicht aufbringen konnte. Schmidt konnte den Hof jedoch wegen der hohen Schulden nicht halten, so dass Mügge ihn mit Genehmigung vom 03.11.1818 wieder zurückkaufen musste. Mit Genehmigung vom 19.06.1819 wurde der Hof dann an Hermann Dietrich Bischof aus Hassel verkauft. Bernd Mügge behielt somit nur noch die Stellen Nr. 37 und 46 in Hollen.

 Hochzeit von Wilhelm Dunekack mit Sophie Mügge Mai 1912 Trotz dieser Verluste war die Familie weiterhin angesehen. Bernds drei Schwestern heirateten 1807 auf den Vollmeierhof Nr. 9 in Schwarme (Niemann), 1824 auf die Handkötnerstelle Nr. 8 in Hagen/Thedinghausen (Witte) und 1833 auf die Vollkötnerstelle Nr. 24 in Wackershausen (Brüns). Seine vier Brüder starben alle im Kindesalter. Er selber heiratete 1825 Anne Sophie Freyer, die ihren väterlichen Hof Nr.38 in Hollen mit in die Ehe brachte. Die Familie erholte sich wieder und so konnte 1845 für 900 Taler wieder eine Wiese in Spraken gekauft werden. Bernd Mügges Schwager Johann Niemann (1782 - 1848) in Schwarme wurde ab 1833 mit Zunehmenden Alters schwachsinnig. Das Amt Westen als Gerichtsbehörde entschied 1838, dass neben Dietrich Hüneke aus Schwarme auch er als Verwalter den Hof leiten sollten. Doch bereits im November des Jahres wird auf Ersuchen des Ehepaares Niemann ein Schwiegersohn als Verwalter berufen.
Aus der Ehe Mügge/Freyer entsprangen sechs Töchter und drei Söhne und nur die zweite Tochter starb bereits im Kindesalter. Die Mädchen heirateten zwischen 1849 und 1869 auf Meierhöfe in Eitzendorf, Kleinenborstel, Hollen und Hache und einer Bürgerstelle in Moor / Bruchhausen. Der Erbe Dieterich Mügge (1831 - 1909) blieb zeitlebens ledig. Johann heiratete eine Dunekack aus Normannshausen (Nr. 63) und kaufte 1871 eine Vollkötnerstelle in Dahrelsen. Es schien also wieder genug Geld in der Familie vorhanden gewesen zu sein. Der jüngste Sohn Heinrich pachtete von seinem Bruder den Hof Nr. 38. Dessen zweiter Sohn Bernhard erbte vom ledigen Onkel den gesamten Besitz. Bernhards zwei Brüder starben jung als Lehrer in Ehmen bei Wolfsburg bzw. im 1. Weltkrieg in Frankreich.

 Hochzeit von August Knake und Waltraut Mügge  Oktober 1939 Zwar besaß Bernhard Mügge bereits drei Stellen, doch kam mit der Heirat der Hoferbin Meta Marie Asendorf von der Vollkötnerstelle Nr. 13 in Hustedt auch dieser noch in "seinen" Besitz von 1914 bis 1948 wurde er aber an Dietrich Mühlenfeld bzw. dessen Sohn Fritz verpachtet. Später ging er dann an Bernhards zweiten Tochter Ursula, die heute in Bremen wohnt. Da der einzige Sohn aus der Verbindung Mügge/Asendorf im 2. Weltkrieg in der damaligen Sowjetunion fiel, erbte die älteste Tochter Waltraud den Hollener Besitz. Bewirtschaftet wird der Hof jetzt von Waltrauds einzigem Kind Bernd aus ihrer Ehe mit August Knake aus Brake bei Sulingen.

Oiste Nr. 9
1750 heiratete Johann Otto Mügge (1716 - 1784) aus Hollen Adelheit Wolters vom Vollmeierhof Nr. 9 in Oiste. Sie erhielt diesen von ihrem Bruder Ahlert, der hierauf verzichtet hatte. Acht Kinder wurden dem Ehepaar beschert, wobei vier früh verstarben. Der älteste Sohn Gerd Mügge blieb auf dem Hof und heiratete zwei Mal: 1779 Anne Adelheid Bormann aus Oiste und 1785 Catharine Margarethe Klinker aus Altholtum (Nr. 1). Und ab der zweiten Ehe wurde es kompliziert in den Familienverhältnissen dort auf dem Hof. Nach dem Tode Gerds im Jahre 1800 heiratete seine Witwe drei Jahre später den Vollmeier Ratje Clausen in Ritzenbergen (Nr. 5). Ihre Tochter Adelheid Mügge ehelichte 1810 den Sohn von Ratje Clausen aus dessen erster Ehe gleichen Namens. Somit war Catharine Margarethe Clausen geb. Klinker verw. Mügge nicht nur Stief-, sondern gleichzeitig auch Schwiegermutter von Ratje Clausen (1776 - 1827). In einer alten Hausbibel wird beschrieben, dass sie 1840 wieder nach Oiste zurückkehrte. Sie schnupfte stark, rauchte auch im hohen Alter noch sehr gerne ihre lange Pfeife und spielte dabei mit großer Lust und Sachkenntnis eine Partie Wist, Solo oder Doppelkopf.
Der Hoferbe Johann Heinrich Mügge (1788 - 1835) ehelichte Anne Adelheid Hecht aus Dahlhausen (Nr. 51) und hatte mit ihr neun Kinder. Der älteste Sohn Gerd Heinrich starb bereits 1848 im Alter von 37 Jahren an den Folgen des Alkoholismus. Im Kirchenbuch von Oiste wird dies ausdrücklich erwähnt. Er hinterließ nur eine Tochter. Mit deren Heirat geht der Hof an die Familie Meyer über. Erwähnt sei hier noch, dass die Witwe Johann Heinrich Mügge vom Hof Nr. 27 in Oiste als zweiten Ehemann heiratete. Dessen Linie wird später näher vorgestellt.
Gerd Heinrich Mügges jüngerer Bruder Harm Hinrich wurde Kaufmann. Leider ist der Wohnort in den Kirchenbüchern von Hannover, wo er als Taufpate erwähnt wird, unleserlich. So müssen hier weitere Forschungen abgewartet werden. Der Bruder Ratje Mügge wurde Lehrer und lehrte in Hannover. Er wohnte 1856 im Haus Hartingstraße 4a, 1860 Hardfelder Straße 173 und 1867 Hardfelder Straße 21 in der Altstadt in der Gemeinde der Kreuzkirche. Der Verbleib der Familie ist unbekannt. Auch der jüngste Bruder Diedrich Christian wurde Lehrer. So übte er 1856 seinen Beruf in Vilsen aus. Später war er Kantor in Georgstadt. Dies ist jedoch noch ungewiss, da auch hier die Kirchenbücher von Hannover sehr schwer zu lesen sind. Seine beiden Töchter waren Konrektorin bzw. Lehrerin in Hannover und lebten nach dem Kriege unverheiratet in Oiste.

Hollen Nr. 32, Fredelake Nr. 21, Normannshausen Nr. 57 und Dörverden Nr. 11
Den zweiten Sohn von Johann Otto Mügge (Oiste Nr. 9) namens Henrich (1753 - 1823) zog es wieder zurück nach Hollen. Auf der Eggekötnerstelle Nr. 32 lebte seit über einem Jahr die Witwe Gesche Margarethe Meinke geb. Masemann ohne Kinder. Ihr Mann war nach nur zweijähriger Ehe dreißigjährig verstorben. Henrich Mügge war bereits über vierzig Jahre alt und sah seine Chance gekommen, einen eigenen Hof zu bewirtschaften. Obwohl seine Frau mit achtundzwanzig Jahren noch jung war, schenkte sie ihm keine Kinder. Nach ihrem Tod heiratete er 1815 - nun bereits 63 Jahre alt - noch einmal. Seine Frau kam aus Wechold und war die Witwe des Brinksitzers Johann Heinrich Kracke in Ubbendorf (Nr. 15). Nach Heinrich Mügges Tod heiratete die Witwe in dritter Ehe Johann Heinrich Semsrott aus Kleinenborstel (Nr. 16).
Heinrich Mügge hatte drei Kinder. Heinrich Mügge erbte die Stelle und verstarb 1847 unverheiratet Erbe wurde dann der Bruder Johann Mügge (1822 - 1892). Seine Braut Rebecka Rippe aus Magelsen (Nr. 1) brachte 1.542 Taler mit in die Ehe. Darauf konnte eine gesunde Wirtschaft begründet werden. Johanns Schwester heiratete den Vollmeier Christian Firlecke in Berxen (Nr. 20). Sie erlebte den Untergang des Hofes in Berxen bei ihrem Tod 1879 nicht mehr. Obwohl dies ein großer Hof war, musste die Familie Konkurs anmelden und ihn verkaufen. Später lebte ein Enkel als Häusling in Hustedt (Nr. 6a).
Johann stellte sich am 15.03.1868 zur Wahl als Kirchenvorsteher aus dem Schulbezirk Kleinenborstel. Aber er unterlag Heinrich Dunekack aus Normannshausen (Nr. 63) mit acht Stimmen. Doch bei dessen Vereidigung stellte sich heraus, dass er das erforderliche Lebensalter von dreißig Jahren noch nicht erreicht hatte. So musste eine zweite Wahl durchgeführt werden. Johann Mügge konnte nach zwei Wahlgängen die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen und war damit im Kirchenvorstand von Martfeld. Dieses Ehrenamt führte er bis 1880 aus.
Sechs Kinder aus der Ehe Mügge / Rippe erreichten das Erwachsenenalter. Elisabeth heiratete nach Oiste, Dietrich übernahm den Hof, Johann kaufte 1905 den Halbmeierhof Nr. 21 in Fredelake, Margarethe heiratete nach Schweringen, Julius wurde Interimswirt in Normannshausen (Nr. 57) und Heinrich ging nach Dörverden (Nr. 11).
Dietrich war bereits fünfzig Jahre als er die zwanzig Jahre jüngere Adeline Gehrken aus Neubruchhausen ehelichte. Sie hatten zwei Töchter und einen Sohn. Doch auch an ihnen ging der l. Weltkrieg nicht vorbei. Er musste als Soldat dienen und starb noch während des Krieges auf dem elterlichen Hof. Seine Witwe heiratete nach dem Kriege Dietrich Rippe, einen Vetter ihres Mannes aus Magelsen.
Der Hoferbe Johann Mügge (1913 - 1995 heiratete später Anna Meyer aus Martfeld (Nr. 74). Da sie nur zwei Töchter hatten starb der Name Mügge bei der Heirat der Hoferbin auf diesem Hof aus.
Aber auch die Normannshauser und die Fredelaker Linien starben bereits in der zweiten Generation aus. Johann Mügge (1861 -1944) hatte drei Töchter und einen Sohn. Der Sohn fiel im 2. Weltkrieg in der ehemaligen Sowjetunion. Die drei Töchter heirateten nach Martfeld und Schwarme und verkauften den Hof in Fredelake an Heinrich Hoppe aus Martfeld. Julius Mügge (1867 - 1952) hatte zwei erwachsene Söhne und eine Tochter. Trotz deren Heirat kam kein Enkel mit dem Namen Mügge zur Welt.
Dörverden Nr. 11
 Silberhochzeit von Anna (geb. Voigts) und Heinrich Mügge am 20.10.1929 Der jüngste Bruder Heinrich Mügge (1869 - 1944) ging auf die Landwirtschaftsschule in Neustadt am Rübenberge. Vor seine Heirat nach Dörverden war er Verwalter auf dem Gut Lohof des Senators Hesse in Verden. Als zweiter Ehemann ging er 1904 auf den Halbmeierhof Nr.11 in Dörverden. Aus seiner Ehe mit Anna Voigts entstammt nur der Sohn Heinrich. Heinrich Mügge senior muss in seinem neuen Wohnort einen guten Eindruck hinterlassen haben, denn er wurde zum Ortsvorsteher gewählt. Anfang der 1930er Jahre wurde auch der Sohn Heinrich Mügge junior Ortsvorsteher bzw. Bürgermeister. Dieses Amt führte er bis 1943 aus. Er hatte zwei Töchter und zwei Söhne. Der Hof wird jetzt vom Enkel Carsten Mügge bewirtschaftet.

Oiste Nr. 27
Neben Gerd (Oiste Nr. 9) und Henrich (Hollen Nr. 32) gab es auch den Bruder Ahlert Mügge (1758 - 1817). Dieser heiratete 1786 auf den Vollmeierhof Nr. 27 in Oiste.
Ahlerts älterer Sohn Johann Hinrich übernahm den väterlichen Hof in Oiste. Er heiratete Marie Elisabeth Mühlenstedt, mit der er fünf Söhne hatte. Doch drei von ihnen verstarben bereits im Kindesalter. Der jüngere der überlebenden Söhne Heinrich Mügge (1823 - 1892) heiratete als Interimswirt auf den Hof Nr. 9) in Oiste .
Der ältere Sohn Johann Mügge (1813 - 1879) heiratete seine Base aus Amedorf und erbte nicht nur den elterlichen Hof in Oiste. sondern bewirtschaftete auch den Hof seiner Frau. Übrigens heiratete ihre jüngere Schwester erst auf den Hof Nr. 9 in Oiste und dann den jüngeren Bruder Johanns (wie vorher bereits kürz erwähnt).
Auch in der nächsten Generation werden die beiden Höfe in Oiste und Amedorf zusammen bewirtschaftet. Erst 1919 wurden sie wieder getrennt.
Heinrich Mügge (1879 - 1936) blieb in Oiste, während Johann Mügge (1882 - 1941) nach Amedorf ging. Johann verkaufte 1932 den Hof in Größe von rund 15 Morgen an Hermann Buchholz aus Hustedt und übernahm den bereits 1906/07 vom Domstrukturfond Verden für 100.000 Mark gekauften Halbmeierhof Nr. 6 in Amedorf. Bereits 1910 / 11 hatte der Vater dort ein stattliches Wohnhaus mit den nötigen Nebengebäuden herrichten lassen. Zum Hof gehörten damals 35 Hektar Land.
Auf Heinrich Mügge folgten in Oiste dessen Sohn Johann (1914 - 2000) und der Enkel Hilmar, der jedoch keine Landwirtschaft mehr betreibt. Hilmars Vetter bewirtschaftet den Halbmeierhof Nr. 19 in Otersen bei Wittlohe. In Amedorf blieb der Erbe unverheiratet, so dass der Hof in den Besitz der Familie Meyer aus Oiste übergehen wird.

Wiehe Nr. 84 und 86
Der zweite Sohn von Ahlert Mügge (Oiste Nr. 27) namens Friedrich (1795 - 1860) heiratete auf den Vollmeierhof Nr. 84 in Wiehe bei Vilsen. Seine Kinder wurden dem Hof nach auf den Namen Meyer getauft, während sich eine Generation später der Name Mügge wieder durchsetzte.
Wie bereits die Familie Meyer hatten auch die Mügges wiederholt Streitigkeiten wegen unberechtigter Schaftrift. So wurde nach 1781 und 1794 auch 1863 wieder ein Prozess geführt, dessen Ausgang nicht bekannt ist.
Wiehe Nr. 84 ca. 1930
 Bauernhof von 1649 mit Diedrich Mügge (1871 - 1950 und Pächterfamilie
 Friedrich Mügge löste am 12.06.1857 den Hof von der Gutsherrschaft ab. Sein ältester Sohn Heinrich Mügge übernahm den Hof in Wiehe, während zwei jüngere Söhne nach Staffhorst und Varste gingen. Diese beiden Brüder leiteten 1861 ein Verfahren gegen ihren älteren Bruder wegen Ansprüche aus dem mütterlichen Testament ein. Sie behaupteten, dass er ihnen noch ein Teil der Erbmasse schuldig war. Ob sie ihre Ansprüche durchsetzen konnten, ist leider nicht bekannt.
1861 wurde Heinrich Mügge zum Schätzer der Hagelschäden - Versicherungsgesellschaft berufen. 1882 hatte er wieder einen Prozess zu führen. Er hatte eigenmächtig ein Stauwerk im Bollenbach unterhalb seiner im Wiehe gelegenen Wiesen angelegt, um sie damit zu berieseln. Andere Anlieger an diesem Bach beschwerten sich daraufhin bei der Kgl. Landdrostei zu Hannover als Polizeibehörde. Heinrich Mügge behauptete, seine Vorfahren hätten bereits das Staurecht besessen. Dies wurde jedoch von den Klägern bestritten. Am 19.01.1883 wurde ihm von der Polizeibehörde das Stauen des Baches untersagt.
Heinrich Mügges ältester Sohn Friedrich (1858 - 1902) übernahm den elterlichen Hof, während der zweite den Vollmeierhof Nr. 86 in Wiehe kaufte. Ein weiterer Sohn wanderte in die USA aus und der Jüngste mit dem Namen Diedrich (1871 - 1950) erbte den Hof 1902 von seinem ledig gebliebenen Bruder. Auch er blieb unverheiratet, so dass die Stelle an den Neffen vom Hof Nr. 86 kam. Auf dem Hof Nr. 86 wurde auch eine Gaststätte betrieben, die auch heute noch einen Eckpunkt des Brokser Heiratsmarktes bildet.
Heute leben drei Generationen auf dem Hof Nr. 84. Die Stelle Nr. 86 befindet sich im Besitz von Thea Schröder geb. Mügge. Eine Seitenlinie wohnt in Behrelsen.

Staffhorst
Friedrich Mügge (1829 - 1905) aus Wiehe heiratete 1861 nach Staffhorst auf den "Sielingsschen Halbmeierhof". Die Familie Sieling hatte vorher schon Kontakte in dieser Region. Friedrich Mügges Schwiegermutter war eine geborene Elmers und kam vom Vollmeierhof Nr. 87 in Martfeld. Nachdem Friedrich mit seinem jüngeren Bruder in Varste gegen den Erstgeborenen geklagt hatte, scheint der Kontakt der Kontrahenten verständlicherweise abgebrochen zu sein. Bei den Taufen seiner drei Töchter waren viele Mügges als Paten anwesend, jedoch weder sein älterer Bruder noch dessen Ehefrau.
Während seine älteste Tochter Marie Mügge den elterlichen Hof mit ihrem Mann Johann Hermann Westermann aus Bruchhöfen übernahm, heirateten die anderen beiden auf Vollmeierhöfe in Varste und Staffhorst. So endete die Familie Mügge in Staffhorst bereits nach nur zwei Generationen.

Laake Nr. 8 und Hiddestorf Nr. 44
Johan Dietrich Wilhelm Christoph Mügge (1832-1907) aus Wiehe war Knecht bei seinem Schwager Johann Hermann Wolters in Varste (Nr. 79). 1872 heiratete er dann als Interimswirt auf den benachbarten Vollmeierhof Nr. 80. Obwohl seine Ehefrau bereits vierzig Jahre alt war, gebar sie ihm noch einen Sohn.
Dieser Friedrich Mügge ehelichte 1898 die Erbin des Halbmeierhofes Nr. 8 in Laake bei Blender. Während der ältere Sohn Hermann die mütterliche Stelle übernahm, heiratete der jüngere Friedrich Mügge auf den Halbmeierhof Nr. 44 in Hiddestorf.
Beide Brüder hatten jeweils nur einen Sohn. In Laake wohnen derzeit Gisela und Fritz Mügge mit ihrem älteren Sohn Hermann, während der jüngere Sohn Klaus als Anerbe in Hiddestorf lebt.
Henns Harries

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Familie Wätje

Die Familie Wetje/Wätje/Wätjen aus Hollen oder: aus Martfeld in die ganze Welt.

20.22
Nachdem ich in der letzten Ausgabe der "Martfeld Live" einen Bericht über die Familie Meyer auf dem Jagdmeierhof in Martfeld geschrieben habe, möchte ich mich diesmal mit der Familie Wetje / Wätje / Wätjen auseinandersetzen. Bevor ich die Sippe näher vorstelle, möchte ich noch erwähnen, daß ich der einfach halber die Familien in verschiedenen Linien aufgeteilt habe, um den Leser nicht zu sehr zu irritieren. Dabei habe ich mich für 8 Linien entschieden:
Die Hollener Hauptlinie, Die Blender Linie, Die Hustedter Linie auf dem Hof Nr. 1, Die Hustedter Linie auf dem Hof Nr. 9, Die Eitzendorfer Linie auf dem Hof Nr. 1, Die Eitzendorfer Linie auf dem Hof Nr. 25, Die Ochtmannier Linie und Die Bremer Linie(n).
Mein Hauptaugenmerk gilt dabei der Hauptlinie und der berühmten Bremer Linie(n); doch werde ich auf die restlichen Verzweigungen auch kurz eingehen.

Die Hollener Hauptlinie
Der Stammhof der Familie Wätjen (Brünjes)
 in Ochtmanien Nr. 7 Johan Wetken, wohl aus dem Weyher Raum stammend, bewirtschaftete kurz nach dem 30 jährigen Krieg den Halbmeierhof Nr. 48 in Hollen. Er half dem vorher verödeten Hof wieder zu alter Blüte. Ob der zur gleichen Zeit auf dem Halbmeierhof Nr. 15 in Kleinenborstel sitzende Hinrich Wetken sein Bruder war, ist leider nicht zu klären. Kurz vor 1692 ist Johan Wetken gestorben, denn seine Witwe führte in jenem Jahr einen Prozeß gegen andere Hollener Bauern; denn man wollte wieder eine große Schafwirtschaft aufbauen, die die anderen Hollener nicht dulden wollten. Der Ausgang des Streits ist uns leider nicht überliefert, man kann jedoch davon ausgehen, daß er sich nicht allzu negativ auf den Hof ausgewirkt haben kann, da bei der Heirat des Erben Dietrich Wetken 1695 mit Becke Meyer vom Vollmeierhof Nr. 77 in Martfeld, vom Schwiegervater ein Schafstall als Mitgift geliefert wurde.
Der aus dieser Ehe geborene Erbe Johan Dirk Wedgen verehelichte sich mit Anne Dorothee Hillmann vom Voltmeierhof Nr. 10 in Uenzen. Aus dieser Verbindung gingen zehn Kinder hervor, wovon vier Kinder bereits verschiedene Linien bildeten; doch wird dies an der entsprechenden Stelle erwähnt werden, Johan Dirk Wedgen baute 1744 ein neues Wohnhaus und 1746 eine Scheune.
Der Erbe Dirk Hinrich Wetjen, nach alter hiesiger Tradition benannt nach seinem Großvater väterlicherseits, wurde mit 19 Jahren Vollwaise und mußte sich um die Erziehung der jüngeren Geschwister kümmern (der jüngste Bruder war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 3 Jahre alt). Sicherlich wird es auf dem Hof Mägde gegeben haben, die sich auch um die kleinen Kinder bemühten. Erst 1761 heiratete der Wirt Anna Brüns vom Vollmeierhof Nr. 2 in Felde. Die Aussteuer mag nicht klein gewesen sein, besaß der Hof in Felde 1756 doch 8 Pferde, 80 Stück Hornvieh und 70 Morgen Ackerland.
1765 wurde auf dem Hollener Hof ein neuer Speicher gebaut. Ein Jahr später wurde für 710 Taler eine Wiese gekauft, die zweieindrittel Fuder Heu brachte. Das Geld brachte Dirk Hinrich Wetjen durch den Verkauf von Buchen- und Eichenholz aus dem eigenen Sünder auf. 1782 kaufte er dann noch mal für 960 Taler ein Wiese in der Maase; vier Tagewerke groß. Ein Pferdestall wurde 1789 gebaut, ein Häuslingshaus bereits 1779 (Hollen Nr. 48a).
Der älteste Sohn heiratete später fort und begründete damit die Blender Linie. Erbe wurde der jüngere Sohn Henrich Wätje. Dieser verehelichte sich mit Mette Sophie Tegtmeier von einem Vollmeierhof in Süstedt. Ihr Großvater stammte aus Hannover und ist 1731 auf den Süstedter Hof eingeheiratet.
Da der Sohn Dietrich Heinrich Wetje bei den Toden des Vaters und des Großvaters noch nicht mündig war, verwalteten Vormünder den Hof bis zur Volljährigkeit des Erben.
1832 dann heiratete er Charlotte Dorothee Rippe vom Vollmeierhof Nr. 32 in Oberboyen. Als Aussteuer erhielt sie u.a. 3.000 Taler. Der jüngste Sohn aus dieser Verbindung wurde Theologe in Wittingen. Dessen Nachkommen wohnen später in Duisburg und Celle.
Der älteste Sohn Dietrich Heinrich Wetje hatte 1857 mit Marie Mügge von der Halbkötnerstelle Martfeld Nr. 37 in Hollen ein uneheliches Kind. Doch eine Heirat kam aus unerfindlichen Gründen nicht zustande. Standesgemäß war die Braut, denn die Familie Mügge war sehr angesehen und hatte nicht gerade wenig vorzuweisen. Vielleicht hofften die Eltern auf eine bessere Partie für den Anerben, oder aber die Liebe zwischen den beiden jungen Menschen währte lediglich für eine kurze Zeit, in der das Kind gezeugt wurde. Schließlich heirateten sie doch noch. Und zwar sieben Jahre später!!!
1929 wurde von Cord Heinrich Dietrich Hermann Wetje das Vorderhaus und einen Kuhstall gebaut. Der Pferdestall wurde umgesetzt und als Wohnhaus hergerichtet (Hollen Nr. 48b). In jenem Jahr besaß der Hof 53 Hektar Land.
Der Sohn und Erbe Heinrich Hermann Friedrich Wetje richtet 1965 im sog. "Wätjen Sünder" bei der Hofstelle einen Campingplatz ein, auf dem überwiegend Bremer Leute bis heute ihre Freizeit genießen. Hermann Wetje übernahm nach seiner Heirat mit Irene Grieme vom Brinksitz Nr. 114 in Martfeld den Hof. Vier Kinder wurden dem Paar beschert: Hans-Heinrich, Irmtraud, Irene und Inka.

Die Blender Linie
1787 heiratete Johann Diederich Wätje aus Hollen die Witwe des Vollmeiers Harm Wortmann auf dem Hof Nr.3 in Blender. Dessen jüngster Sohn gründete die Hustedter Linie auf dem Hof Nr.9 (siehe dementsprechenden Abschnitt). Der ältere erbte den elterlichen Hof in Blender. Der letzte männliche Wätje auf dem Hof - Dietrich Heinrich (1818 - 1872) - hatte nur vier Töchter. Da auch die anderen männliche Familienmitglieder keine Söhne hatten, starb dieser Zweig 1880 im Mannesstamm aus.

Die Hustedter Linie auf den Hof Nr. 1
Rendig Wetjen (1747 - 1803) aus Hollen heirate in die Halbkötnerstelle Nr.1 in Hustedt ein. Der Hof durchlief in den nächsten Jahrzehnten mehrer Höfeklassen, 1838 ist der Hof eine Dreiviertelkötnerstelle, 1841 eine Kötnerstelle und 1854 schließlich ein Großbrinksitz.
Pate des Hoferben Ludolf Christoph Wetje war u.a. der Drost Ludolf Christoph von Hugo in Stolzenau. L. C. Wetje stellte 1838 den Antrag auf Spezialteilung sämtlicher Gemeinheitsreviere in Hustedt, die dann 1844 auch vollzogen und bestätigt wurde. Dessen Sohn Diedrich Heinrich Friedrich Wetje wurde Erbe. Seine Frau Catharine Margarethe Puvogel vom Brinksitz Nr. 110 in Schwarme gebar ihm fünf Kinder. Durch die Heirat mit Katharine Meyer verwitwete Niebuhr vom Brinksitz Nr.39 in Blender gelang Dietrich Ludolf Wetje in den Besitz der Eggekötnerstelle Nr.29 in Altholtum. Da eine seiner Schwestern vorher mit Johann Hermann Niebuhr verheiratet war, ehelichte er sozusagen die zweite Frau seines Schwagers. Warum so fern suchen, wenn das Gute so nah war?
Der Hof in Altholtum wurde mangels eines Niebuhr - Erben gegen 1879 an einen Hustedter verkauft. Der jüngere Sohn aus der Ehe wurde Landwirt in Hinnebeck, der ältere - Johann Dietrich Friedrich Wetje (1886 - 1929) - übernahm den Hof. Dieser starb, nachdem er auf einer Entenjagd verunglückte, den darauffolgenden Tag im Krankenhaus in Verden. Er hatte mit Margarethe Adelheid Ellmers vom Halbmeierhof Nr. 45 in Schwarme zwei Söhne. Sein ältester Sohn Ludolf Friedrich Heinrich (genannt Rudolf) Wetje ehelichte Sophie Dopmann von der Mühle Nr.85 in Uenzen. Die drei Kinder sind Friedrich, Margret und Ursula.

Die Hustedter Linie auf den Hof Nr. 9
Johann Friedrich Wätje aus Blender über nahm bei seiner Heirat 1820 mit Gesche Margarethe Suhling die Eggekötnerstelle Nr. 9 in Hustedt. Während seine Schwester nach Intschede heiratete, wurde Hermann Diedrich Heinrich Wätje in Hustedt Hofbesitzer. Dieser heiratete dann später Mette Margarethe Gathmann aus der Nachbarschaft von der Vollkötnerstelle Nr.6. Das jüngste von sieben Kindern erbte den Hof.
Johann Heinrich Friedrich Wätje ging die Ehe mit Meta Marie Westermann aus Gödestorf ein. Da der Sohn Dietrich Heinrich Friedrich Wätje aus seiner Ehe mit Elisa Rebecka Adelheid Troue vom Vollmeierhof Nr.7 in Ochtmannien keine Kinder hatte, wurde der Sohn der Schwester adoptiert.
Fritz Karl Hinrich Wätje geb. Meyer, dessen Vater u.a. Lehrer in Rablinghausen war, übernahm also den Hof und heiratete Gerda Rippe vom Vollmeierhof Nr. 2 in Werder. Er war lange Zeit in der dörflichen Politik tätig und war auch für kurze Zeit Bürgermeister der Gemeinde Martfeld. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Fritz, Adelheid und Annemarie.

Die Eitzendorfer Linie auf dem Hof Nr.1
Die Erbin des Vollmeierhofes Nr. 1 in Eitzendorf - Wübke Margarethe Rippe vom Vollmeierhof Nr.59 in Eitzendorf - heiratete 1767 Johann Behrendt Wetjen aus Hollen.
Johann Friedrich Wätje übernahm den Hof 1804 bei seiner Heirat mit Catharine Margarethe Adelheid Harries, einer Vogttochter vom Halbmeierhof Nr. 1 in Oiste. Der Sohn Dietrich Heinrich Friedrich Wätje starb 1845 nur ein Jahr nach seiner Heirat mit Eleonore Dorothea Rippe vom Vollmeierhof Nr.57 in Eitzendorf. Daher wurde die einzige Tochter aus dieser Ehe - Anna Dorothea Margarethe Christine Wätje (1845 - 1913) - Erbin des Hofes. Da sie unverheiratet blieb, ging der Hof an ihren jüngsten Halbbruder Georg Heinrich Wilhelm Harries über.
Noch 1845 wurden die Geld- und Korngefälle nebst allen anderen Abgaben für 915 Taler beim Herrn von der Horst in Rothenburg abgelöst. An der Westseite des Haupthauses wurde 1867 von der Besitzerin ein Anbau errichtet.

Die Eitzendorfer Linie auf dem Hof Nr.25
Peter Wetjen (1735 - 1815) aus Hollen, benannt nach seinem Großvater Peter Hillmann in Uenzen, wohnte mit seiner ersten Frau Anna Adelheid Freimuth von der Halbkötnerstelle Nr.14 in Tuschendorf in den ersten Ehejahren im Ort seiner Frau und kurz darauf als Häusling auf dem Kleinbrinksitz Nr.38 in Hollen. Diesen Hof wollte er auch kaufen, doch gab der Eigentümer diesen an seinen eigenen Sohn. Und so kaufte Peter Wetjen den Halbmeierhof Nr.25 in Eitzendorf für 300 Taler von Johann Heinrich Holste, da dieser den Hof ob der Schulden nicht mehr halten konnte.
Aus der obigen Ehe entsprangen sieben Töchter. Da er aus seiner zweiten Ehe keine Kinder mehr hatte, erbte die dritte Tochter den Hof. Doch deren Ehemann aus Armsen lief nach einiger Zeit fort und starb später bei Verwandten in Martfeld. So gelangte die älteste Tochter Anna Dorothee Wätje in den Besitz des Hofes. Da der Ehemann auch die Halbkötnerstelle Nr.23 besaß, wurden nun zwei Höfe bewirtschaftet.

Die Ochtmannier Linie
Johann Dirk Hinrich Julius Wetjen (1749 - 1829) wurde fünf Monate nach dem Tod seines Vaters geboren. Was zu dem Zeitpunkt natürlich noch niemand ahnen konnte war, daß er sozusagen der Begründer der berühmten Wätjen - Familie in Bremen werden würde. Er gelangte durch Heirat in den Besitz des Vollmeierhofes Nr.7 in Ochtmannien.

Der Vollmeierhof Nr.7 in Ochtmannien("Brünjes")
Der älteste Sohn Johann Peter Christian Wätjen geriet in der Franzosenzeit durch den hohen Abgabezwang in wirtschaftlicher Not, aus der er sich nie mehr befreien konnte und meldete 1822 Konkurs an. Damit der Hof in der Familie blieb, kaufte sein Bruder Diedrich Heinrich Wätjen aus Bremen ihn für 5.000 Taler in Gold. Da J.P.C. Wätjen aus Rechtsgründen den Hof nicht mehr leiten durfte, wurde erst ein befreundeter Nachbar als Pächter eingesetzt und ab 1832 der Sohn Johann Diedrich Hinrich Wätjen. Dieser überzeugte seinen Onkel durch seine Leistungen als Landwirt, daß ihm 1839 die restlichen Schulden von 3.600 Talern erlassen wurden und er somit Eigentümer der Stelle wurde. 1877 gehörten 54 Hektar zum Hof, wovon 29 Hektar bewaldet waren.
Peter Diedrich Heinrich Wätjen verkaufte um 1900 erst den Hof seiner Frau in Uenzen und 1906 schließlich auch den Ochtmannier Hof. Von dem Geld erwarb er einen großen Hof in Schlüte bei Berne. Mit dem Tod seines einzigen Sohnes ist diese Linie ausgestorben.

Die Bremer Linie(n)

Die Bremer Familie Wätjen in Blumenthal 1885

J.D. Helmerich Wätjen 1780 - 1837
Drei jüngere Söhne aus Ochtmannien gingen nach Bremen. Als erstes erwarb der Zweitgeborene Julius Diedrich Helmerich Wätjen 1809 das Bremer Bürgerrecht mit Handelsfreiheit und betrieb 1813 mit zwei Angestellten ein Kommissionsgeschäft mit amerikanischen Tabaken. Sein einziger Sohn Hermann Wätjen ging nach Südamerika. Dessen Nachkommen besaßen u.a. Plantagen in Venezuela. Dieser Zweig starb 1956 in der männlichen Linie aus.

Diedrich Heinrich Wätjen 1785 - 1858 Diedrich Heinrich Wätjen folgte 1800 als fünfzehnjähriger seinen Bruder nach Bremen und machte beim Makler Mohr in Delmenhorst eine Lehre zum Kaufmann. Ab 1808 tätigte er eigene Geschäfte, 1814 ging er für vier Jahre nach England. 1821 schließlich war er Alleineigentümer der Firma Schaer & Wätjen in Bremen und benannte sie acht Jahre später in D.H. Wätjen & Co. um. Er machte das Unternehmen zur größten privaten Segelschiffsreederei der Welt! Von 1837 bis 1857 war der hochgeschätzte Mann Senator in Bremen. Für den Bau eines neuen Hafenbeckens in Bremerhaven und dem Bau der Eisenbahnstrecke Bremen - Hannover gab er dem Bremer Senat 1847 ein privates Darlehen von 1 Mio. Talern. D.H. Wätjen war der erfolgreichste der drei Wätjen - Brüder in Bremen. Seine Nachkommen betrieben die Firma noch etliche Jahre weiter. Da sie doch weiterhin auf Segelschiffe setzten, wurden sie bald von den Dampfschiffen aus dem lukrativen Geschäft gehievt. Während des ersten Weltkrieges ging das Unternehmen unter und wurde aufgegeben. Die heutigen Nachfahren besitzen noch vier riesige Landgüter im Harzvorland. Übrigens wurden zwei Enkel von D. H. Wätjen geadelt.

Diedrich Hermann Wätjen 1800 - 1868 Der Dritte im Bunde war schließlich Diedrich Hermann Wätjen. Auch er erlernte den Kaufmannsberuf in Bremen. 1835 wurde er Bremer Konsul in Havanna. Seine Firma widmete sich dem Im- und Export von Gütern aus bzw. nach Kuba und den USA. Sein Sohn Heinrich Eduard Wätjen übernahm 1868 die Firma und bildete sie zu einer Finanzierungsgesellschaft um.

Henns Harries

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Familie Winter

22.25
Harm Heinrich Winter (1781 -1859) Ein Portrait anhand von Dokumenten
Herkunft
Harm Heinrich Winter wurde am 27.12.1781 als einziger Sohn des Häuslings Hermann Winter (1756-1820) und dessen Frau Anna Meyer in Hustedt geboren. Sein Großvater väterlicherseits stammte aus Wulmstorf und ließ sich gegen 1755 in Hustedt nieder.
Harm Heinrichs Schwestern heirateten auf den Kleinbrinksitz Nr.24 in Kleinenborstel (Mette Margarethe) und auf die Halbkötnerstelle Nr.42 in Wechold (Rebecka Margarethe). Eine weitere Schwester (Anna Dorothee) verstarb 1811 ledig im Alter von 23 Jahren. Harm Heinrich Winter blieb in Hustedt und übte den Beruf des Schusters aus.

Erwerb der Hofstelle Nr.18 in Hustedt
Am 17.05.1812 verstarb Dirk Schmidt als Inhaber des Kleinbrinksitzes Nr.18 in Hustedt. Um diverse Schulden und die Aussteuer der heiratenden Tochter bezahlen zu können, ließ die Witwe Dorothee Schmidt geb. Wegener folgenden Vertrag am 05.03.1813 in Hoya beurkunden: "[...] Sie (Dorothee Schmidt) hätte zu Abtragung dringender Schulden, und der Aussteuer ihrer Tochter Catharine Marie Schmidt, von dem zu Hustedt wohnhaften Schuster Harm Heinrich Winter am heutigen Tage als ein Darlehn erhalten, die Summe von Acht Hundert und Sechszehn Franken , baar mit Winnzig Stück wichtigen Pistolen . Die Schuldnerin quitirte auf das Bündigste über deren Empfang, und versprach, das erwähnte Capital nach einer beyden Theilen freystehenden sechsmonatlichen Kündigung in den empfangenen Münzsorte, mithin in wichtigen Pistolen, baar und in einer Summe wieder zurückzuzahlen und jährlich bis dahin mit fünf procent zu verzinsen.
Statt dieser Zinsen überläßt die Schuldnerin dem Gläubiger vom ersten May dieses Jahrs an, die Wohnung in ihrem Hause und die Benutzung das dabey befindlichen Gartens. Diese Grundstücke sind gelegen in der Commune Martfeld, in der Darse Hustedt, zwischen den Wohnhäusern der dasigen Ackersleute Christian Friderichs (Hustedt Nr.19) und Claus Heinrich Grimm (Hustedt Nr.17); und führet das Haus die Nummer achtzehn Comparentin erklärte ferner:
1. gedachtes Haus und Garten, solle zur Sicherheit des gegenwärtigen Darlehns, als eine Special - Hypothek dienen,
2. der Gläubiger während der Versatzzeit die auf dem Hause ruhenden Handarbeiten leisten; mit den Grundabgaben aber nicht zu thun haben; und
3. die Benutzung der befraglichen Grundstücke, ohne Abrechnung, mit den jährlichen Zinsen gänzlich compensiert werden[.]
Dadurch, dass Harm Heinrich Winter nun auf dem Kleinbrinksitz wohnen durfte, hatte er wohl die Verpflichtungen übernommen, die Schulden bzw. den Brautschatz der Catharine Marie Schmidt zu übernehmen.
Am 04.04.1813 bescheinigte Gerd Hinrich Meier (Halbmeierhof Nr.14 in Spraken und Brinksitz Nr.2 in Hustedt), dass er 50 Rthl. Nebst 8 Rthl. Zinsen in Form von 18 Pistolen a 38 Grote erhalten habe. Dorothee Behrmann hat am 25.07.1813 2 Rthl. 36 Grote und Johann Heinrich Hustedt (Brinksitz Nr.20 in Hustedt) am 24.06.1814 6 Luidor in Gold erhalten. Die zweite Zahlung begründete sich aus der so genannten "Schmidtschen Stelle". Am 11.09. des gleichen Jahres quittierte der Ehemann von Catharine Marie Schmidt, Harm Hinrich Bormann aus Varste, eine Zahlung in Höhe von 10 Rthl. In Gold aufgrund des fälligen Brautschatzes.
Am 15.03.1815 erschien Harm Heinrich Winter vor dem Königlichen Großbritannischen Hannoverschem Amt in Hoya und beantragte die Beurkundung eines Abfindungsvertrages."[...] Er (Harm Heinrich Winter) habe laut der hiermit übergebenden öffentlichen Urkunde vom 24ten Junius 1813 die ... Brinksitzer Stelle nebst allen Zubehörigen für 400 Rthl. in Gholde von der vorigen Besitzerin gekauft und befinde sich in deren Besiz.
Der älteste Sohn und Anerbe dieser Stelle, verabschiedeter Soldat vom ersten Bataillon der Königlich Deutschen Legion in englischen Diensten, 30 Jahr alt, sei kürzlich zurückgekommen, und es habe sich derselbe mit ihm dahin verglichen, daß er zu dessen gänzlichen Abfindung somal an Brautschatz als für den Abtritt der Stelle überhaupt die Summe von 150 Rthl., und zwar 100 Rthl. in Gholde, und 50 Rthl. in Courantiousgelde baar bezahlen.
Der einvernemene Bruder des selben Christian Schmidt und die verheirathete, bereits majorene Schwester Marie, verehelichte Bormann zu Varste sei bereits abgefunden.
Er wolle bitten, daß hierüber an die Gutsherrschaft berichtet, und er zum Colonus angenommen, und zur Beweinkaufung zugelas-sen werden möge.
Der miterschienene Vormund für den minderjährigen Christian Schmidt, Nahmens Arend Hinrich Freimuth von Hustedt erklärte, daß sein Curandt völlig abgefunden sei, und er mithin keine Ansprüche an den jezzigen Besitzer zu machen habe.
Der ebenfalls erschienene Anerbe Dietrich Schmidt erklärte, daß der Vergleich zwischen ihm und den jetzigen Stellbesitzer also in vorbeschriebene zustandegekommen sei, und machte sich außerdem verbindlich, daß, Johann Hinrich Bormann zu Hustedt eine angebliche Forderung von 7 Pistolen, welche er an seinen Großvater geliehen haben wollte gehörig ... würde, er diese Schuld aus seinen Mitteln bezahlen und allein tragen wolle.
Er sei daher, wenn der Gutsherrliche Consens erfolge, zu Abtretung der Stelle bereit."
Am 07.04.1815 erfolgte dann das gutsherrliche Einverständnis. Damit war Harm Heinrich Winter Besitzer des Kleinbrinksitzes 18 in Hustedt. Dieser Wirtswechsel schlug sich auch auf den Hofnamen nieder. Bis zum heutigen Tage wird der Hof aufgrund des Berufes des Erwerbers "Schosters" (Schuster) genannt.

Familie
Harm Heinrich Winter heiratete am 29.05.1813 in der Kirche zu Martfeld Catharine Margarethe Meyer (1785 - 1829) vom Halbmeierhof Nr.105 in Martfeld. Es ist wahrscheinlich, dass sie einen guten Brautschatz mitbrachte, und er daher später die Stelle kaufen konnte. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor: Anne Margarethe (1814 - 1817), Anne Gese (1815 - 1824 Dorothee (1817 - 1889), verheirate Kleemiß in Neuholtum, Catharine Margarethe (1820 - 1872), verheiratet Hustedt in Hustedt, Anne Sophie (1822 - 1826), Anne Elisabeth (1826 - ?) und Johann Heinrich (1829 - 1899), Anerbe der elterlichen Stätte. Kurz nach dem Tod der ersten Ehefrau heiratete er Catharine Margarethe Panning (1804 - 1872) aus Wittlohe. Sie war die Witwe des Häuslings Vogelsang in Oiste. Drei Kinder stammten aus dieser Verbindung: Marie Sophie (1831 - 1832), Hermann Heinrich (1833 - 1892), später Brinksitzer auf dem Hof Nr.16 in Hustedt ("Hopmanns") und Sophie Mette Margarethe (1836 - ?).

Schulden
Mit Urkunde vom 03.05.1827 bestätigen Harm Heinrich Winter und dessen Frau Catharine Margarethe Winter geborene Meyer, dass ihnen der Eggekötner Johann Friedrich Wätje (Hustedt Nr.9) ein Kapital von 150 Thaler in Gold vorgestreckt hatte.
Es wurde eine einseitige halbjährliche Kündigungszeit und ein Zinssatz von 5% vereinbart. Die obige Summe wurde vorher für den Ankauf des Kleinbrinksitzes Nr.18 in Hustedt gebraucht.
Vor dem Amt Hoya trat die Ehefrau am 29.10.1827 als Bürge auf.
Mit Vertrag vom 01.01.1851 lieh sich Harm Heinrich Winter wiederum von Johann Friedrich Wätje eine Summe von 50 Rthl. in Courant, die jährlich mit 2 Rthl. verzinst und nach einer halbjährlichen Kündigungsfrist in einer Summe in empfangener Münzsorte zurückgezahlt wird. Zur Sicherheit wurde das gesamte Allodial-Vermögen des Kleinbrinksitzes als Unterpfand eingesetzt.

Tod und Nachlass
Harm Heinrich Winter starb am 20.01.1857 in Hustedt. Über seinen Nachlass wurde am 26.03.1857 ein Inventarium im Beisein der Witwe Catharine Margarethe Winter geb. Panning, des Anerben Johann Heinrich Winter, des Schwiegersohnes Johann Kleemiß aus Neuholtum (Nr.10) und des für die minderjährigen Kinder bestellten Vormundes und Schwiegersohnes Diedrich Helms aus Wechold (Nr.42) ausgefertigt. Taxiert wurde das Inventar durch den Halbmeier Christoph Lüdeke Lehmann in Wechold (Nr.45) und des Vollkötners und Bauermeisters Johann Heinrich Homfeld in Martfeld (Nr.36). Im Vorbericht des Inventariums wurde niedergeschrieben, daß Johann Kleemiß bei seiner Verheiratung von Harm Heinrich Winter ein Bett im Wert von 15 Rthl. 6 Grote erhalten hatte. Dieser Betrag wurde der Abfindungssumme abgezogen.
Die Inventurliste liegt dem Autor vor.
Henns Harries

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Familie Varrelmann

Die Lehrerfamilie Varrelmann

37.26
Im Jahre 1580 erwarb Heinrich Suer von den Brüdern Johann und Heinrich Custer eine kleines Grundstück in Martfeld, bestehend aus einem Wischteich für dreizehn Taler. Diesen Teich verfüllte er und gründete darauf eine kleine Hofstelle. Wer konnte ahnen, dass aus diesem Hause ungefähr 150 Jahre später eine große Lehrerfamilie entspringen sollte?
Johan Varrelmann wirtschaftete ab ca. 1685 auf dem oben erwähnten Brinksitz Nr.51 in Martfeld. Woher er stammte, wissen wir nicht. Nach Meyerholz gab es Familien Varrelmann oder Varlman bereits Anfang des 16. Jahrhunderts in der Nähe von Stolzenau, sicherlich ausgehend vom Ort Varrel bei Sulingen. Andere Namensträger werden sicherlich aus Varrel bei Stuhr stammen (wobei sie dort oft Warrelmann geschrieben wurden).
Eine erste Nachricht über Johan Varrelmann betrifft sogleich seinen Tod. In einer Aktennotiz vom 12.11.1703 ist vermerkt, dass er vor einem Jahr verstorben sei und eine gebrechliche Frau mit zwei Kindern hinterlassen habe. Der Hoyaer Beamte ließ sich hiervon jedoch nicht beirren und notierte seinen Namen weiterhin fälschlicherweise in der Dienstbeschreibung von 1703 und der Liste über die Ablieferung von Krähenköpfen von 1710. Seine Tochter Mette (1688 - 1763) heiratete 1712 Lüder Knüppel und erbte die elterliche Stelle. Ihr älterer Bruder jedoch betrieb keine Landwirtschaft, sondern begründete die Lehrerfamilie Varrelmann.
Johan Varrelmann (1686 - 1755) wurde um 1712 Küster in Martfeld als Nachfolger von Johan Schierenbeck. Mit wem er verheiratet war, wissen wir nicht, jedoch ließ er im August 1721 seinen ältesten Sohn Johann Ludewig in Martfeld taufen. 1723 verließ er Martfeld und wurde erster Lehrer in Beppen (Kurt Asendorf beschreibt in seinem Buch "Beppen im Spiegel der Sippen" von 1968 irrtümlich, sein ältester Sohn wäre der erste Lehrer in Beppen gewesen). In Lunsen ließ er noch zwei weitere Söhne taufen (Johan Philip 1726 und Friederich Wilhelm 1729).
Johan Varrelmann versah seinen Dienst in Beppen nicht bis zu seinem Tod 1755, wie es in der damaligen Zeit wegen fehlender gesetzlicher oder kirchlicher Altersversorgung üblich war, sondern lehrte nur bis zu seinem 60. Lebensjahr in 1746. Vielleicht war er zu gebrechlich, um den Schuldienst weiterhin aufrecht halten zu können. Jedenfalls übernahm sein Sohn Johann Ludewig Varrelmann (1721 - 1784) den Lehrerposten seines Vaters. Jedoch verzog er nach nur zwei Jahren nach Schwarme. Seinen Posten in Beppen übernahm sein jüngerer Bruder Friederich Wilhelm Varrelmann bis zu seinem Tod in 1798.
Dieser Friederich Wilhelm Varrelmann war zwei Mal verheiratet und hatte insgesamt neun Kinder, wovon lediglich der jüngste Sohn der Lehrertradition folgte. Dieser Sohn namens Carl Anton Varrelmann (1785 - 1830) war von 1807 bis 1811 Lehrer in Weseloh und folgte 1811 seinem Stiefvater Heinrich Wilhelm Goedeke als Küster in Oiste. Hier werden sicherlich familiäre Beziehungen bei der Stellenbesetzung eine Rolle gespielt haben. Carl Anton Varrelmann hatte keine Kinder, so dass dieser Lehrerzweig ausstarb. Sein Stiefbruder Johann Jobst Goedeke war übrigens Lehrer in Jenhorst.
Der bereits erwähnte Johann Ludewig Varrelmann unterstützte seinen Schwiegervater Hermann Andreas Zimmermann (1683 - 1754) in Schwarme ab 1748 als Küster Adjunktus (= Gehilfe). Nach dessen Tod übernahm er den Küsterposten. Die beiden Schwestern von Susanna Margaretha Varrelmann geb. Zimmermann heirateten den Brinksitzer Christian Hermann Ricke in Wechold bzw. den Rectoris Andreas Christoff Neumann in Bruchhausen (vorher in Hermannsburg tätig). Inwieweit die Schwarmer Familie Zimmermann mit der Heiligenroder Pastorenfamilie, der Asendorfer Pastorenfamilie und der Wecholder Pastoren- und Küsterfamilie gleichen Namens verwandt ist, ist bis heute noch unzureichend erforscht.
Doch kommen wir wieder zurück zur Familie Varrelmann. Johann Ludewig Varrelmann hatte zwei Söhne und einen Schwiegersohn, die den Beruf des Lehrers ausübten. Der ältere Sohn David August Varrelmann (1748 - 1826) wurde 1775 Küster in Dörverden, nachdem er dort ein Jahr als Adjunktus gelehrt hatte. Diese Stelle behielt er bis zu seinem Tode. Er heiratete Margarethe Dorothea Lange, eine Küstertochter aus Ringen. Sie hatten vier Kinder, wovon nur der älteste Sohn die Lehrerlaufbahn einschlug, während der Zweite auf einen Brinksitz in Dörverden heiratete und Landwirtschaft betrieb.
Dieser ältere Sohn Conrad Johann Diederich Varrelmann (1777 - 1822) wurde 1800 Lehrer in Bruchhausen und blieb dort, bis er starb. Er hatte mit seiner Frau Catharine Margarethe Sattler - eine Lehrertochter aus Marklohe - sieben Kinder. Das weitere Schicksal dieser Linie ist uns nicht weiter bekannt. Ein weiterer Sohn von Johann Ludewig Varrelmann aus Schwarme namens Johann Hermann (1758 - 1801) übernahm nach seines Vaters Tode 1784 zunächst die Küsterstelle in Schwarme und wechselte 1794 für sieben Jahre auf die Küsterstelle in Intschede. Seinen Posten in Schwarme übernahm sein Schwager Johann Heinrich Wildhagen (1751 - 1822), der vorher Lehrer in Moor/Bruchhausen war und später nach Oerdinghausen wechselte. Johann Hermann Varrelmann war mit der Küstertochter Justine Louise Cramer aus Magelsen verheiratet. Deren Neffe Johann Friedrich August Kramer (1795 - 1835) übernahm 1827 übrigens die Küsterstelle in Schwarme, nachdem er elf Jahre in Hustedt gewirkt hatte. Aus der Ehe Varrelmann/Cramer stammen sieben Kinder, wovon drei Söhne wiederum die Lehrerlaufbahn einschlugen.
Der erste Sohn Diedrich Ludewig August Heinrich Varrelmann (1785 - 1856) hatte ganze fünf Lehrerstellen inne: 1803 - 1806 in Weseloh, 1806 - 1816 in Hustedt, 1816 - 1822 in Stedorf, 1822 - 1834 in Uenzen und ab 1834 die Küsterstelle in Blender. Er galt als streng und war gefürchtet wegen seiner drastischen Strafarten, die ihm von seinen Vorgesetzten (Pastor und Superintendent) Ermahnungen zur Mäßigung einbrachten. Er war zwei Mal verheiratet; in erster Ehe mit der Lehrertochter Johanne Henriette Fischer aus Neuenkirchen und in zweiter Ehe mit der Lehrerwitwe Anna Dorothea Wilhelmine Willers geb. Leiding aus Bassum.
Sämtliche drei Kinder von ihm blieben in Lehrerhaushalte: Hermann Friedrich Wilhelm (* 1811) war von 1832 bis 1835 Lehrer in Ochtmannien, Georg Friedrich Rudolph (* 1813) war 1832 Zweiter Lehrer in Bruchhausen und die Tochter Justine Levine Dorette (* 1817) war mit Johann Christoph Löhmann (1813 - 1857), von 1832 bis 1849 Zweiter Lehrer in Martfeld und von 1849 bis 1857 Lehrer in Uenzen verheiratet. Er selbst war der Sohn des Martfelder Küsters Johann Gerhard Löhmann.
Der zweite Sohn aus Schwarme namens Christian Georg (1793 - 1829) war Lehrer in Oerdinghausen und in Moor/Bruchhausen und blieb unverheiratet. Sein jüngerer Bruder Friedrich Wilhelm (1795 - 1853) lehrte von 1821 bis 1835 in Ubbendorf und dann bis zu seinem Tode in Bassum. Er unterrichtete Ostern 1830 189 Schüler in einer viel zu kleinen Schulstube von etwa 35 m2. Erst 1834 wurde für die Dörfer Heesen und Mehringen eine eigene Schule errichtet, die mit 100 Schülern bezogen wurde. Friedrich Wilhelms Söhne erlernten andere Berufe. Einer von ihnen wurde Buchhalter in Hannover und schenkte in Erinnerung an seine glückliche Kinderzeit in Ubbendorf am 09.11.1907 der Wecholder Kirche 600 Mark für zwei silberne Altarleuchter.
Aus der Familie Varrelmann erlernten somit zwölf Personen den Beruf des Schullehrers, viele Verwandte und Verschwägerte taten es ihnen gleich. Sie hier alle aufzulisten, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Doch möchte ich hier eine kurze Auflistung der Familien mit Wirkungsort auflisten, die ich in einem speziellen Stammbaum daheim aufgeführt habe: Zimmermann (Schwarme, Wechold), Neumann (Hermannsburg, Bruchhausen), Goedeke (Oiste, Jenhorst), Harries (Ubbendorf, Oiste), Cramer (Homfeld, Magelsen, Hustedt, Schwarme), Krüger (Ahusen/Meinersen), Wildhagen (Moor, Schwarme, Oerdinghausen, Engeln, Wöpse), Fischer (Neuenkirchen), Willers (Bassum), Löhmann (Helzendorf, Haßbergen, Martfeld, Uenzen), Lehmkuhl (Neubruchhausen), Lange (Ringen), Sattler (Warmsen, Lavesloh, Marklohe), Albers (Sieden, Oyle), Fulle (Ochtmannien), Masemann (Intschede, Martfeld, Engeln, Oiste, Ottersberg) und Bleckwenn (Martfeld).
Henns Harries

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